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Raummodule für flexible Zwischennutzungen sind bereit zur Anwendung

16.06.2026 Im Rahmen des Innosuisse-Projekts «àDisposition» entwickelte die BFH zusammen mit Industriepartnern adaptierbare Raummodule. Diese machen nachhaltige Zwischennutzungen auf einfache Art möglich – beispielsweise von leerstehenden Hallen wie dem DISPO in Nidau. Dort können erste Module ausgeliehen werden – die möglichen Einsatzarten sind vielfältig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Innosuisse-Projekt «àDisposition» ist abgeschlossen, die Ziele wurden erreicht, teilweise sogar übertroffen – nun soll das Projekt zur Marktreife gebracht werden.
  • Die entwickelten Raummodule ermöglichen verschiedenste Zwischennutzungen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur schonenden Nutzung von Ressourcen.
  • Das System wird am Holzbautag Biel vom 10. September 2026 vorgestellt. Im DISPO in Nidau stehen zudem aufgebaute Module zur Besichtigung und Vermietung bereit.

     


Leerstehende Gebäude und Industriebrachen niederschwellig temporär nutzbar zu machen – dies war das Ziel des Innosuisse-Forschungsprojekts «àDisposition», durchgeführt von Forschenden der Berner Fachhochschule BFH und Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft. «Solche Zwischennutzungen sind bezüglich Nachhaltigkeit sehr sinnvoll. Sie helfen, begrenzten Raum ideal auszunutzen und nach innen zu verdichten – und sie werten Orte auf», erklärt Christophe Sigrist, Projektleiter von «àDisposition». Mittlerweile ist das Projekt offiziell abgeschlossen, die Ziele wurden erreicht und sogar teilweise übertroffen.

«Zwischennutzungen helfen, begrenzten Raum ideal auszunutzen und nach innen zu verdichten – und sie werten Orte auf.»

  • Christophe Sigrist Projektleiter «àDisposition»

Leichte und flexible Holzbau-Segmente

Entwickelt hat das Projektteam modular einsetzbare Holzbau-Segmente, die sich zu Raummodulen zusammenschliessen lassen. Als Atelier, Laden, Co-Working-Space, Hotelzimmer, Infostand an einem (Sport-)Event, Notunterkunft oder zukünftig als Wohnung – die denkbaren Nutzungen sind sehr divers. Basis für die Planung und den Einsatz ist das zugehörige digitale Tool, mit dem sich dreidimensional darstellen lässt, wie die Segmente je nach Bedarf der Nutzenden zu einem Modul zusammengefügt werden können. Für die Herstellung werden daraus direkt die digitalen Produktionsdaten für die CNC-Maschinen erstellt. Dies macht den Prozess schneller und günstiger. Darauf pocht auch Beat Cattaruzza, Betreiber der umgenutzten Fabrikhalle DISPO, der vor fünf Jahren zum Projektteam stiess: «Das Ziel war von Anfang an, dass das System einfach aufzubauen ist und in einem realistischen Preissegment landet.»

Das Ziel bezüglich Aufbau war, dass die Tragstruktur für ein Segment von zwei Laien in rund einer Viertelstunde zusammengesetzt und dann mit raumschliessenden Schichten vervollständigt werden kann. Dafür müssen die Einzelteile sehr leicht sein. «Das schwerste Element ist der Boden mit maximal 60 Kilogramm», erklärt Christophe Sigrist, «alle anderen Elemente sind leichter». Das System basiere auf einem Zwiebelprinzip: «Fix sind die Holzrahmen für Boden, Wände und Dach, danach können je nach Nutzungswunsch verschiedene Schichten eingefügt werden.» Ein Fenster für Licht, Sichtschutz für Privatsphäre oder eine Schicht Kork als Pinnwand: Je nach Anforderung an Akustik, Wärmedämmung, Feuerschutz oder Ästhetik kommen verschiedene Materialien zum Einsatz. Eine Idee, die künftig weiter vorangetrieben werden könnte, ist der Einsatz in Aussenräumen: «Dafür müssten wir nun quasi noch einen wind- und wasserdichten Pullover für die Module entwickeln», sagt Sigrist.

«Das Ziel war von Anfang an, dass das System einfach aufzubauen ist und in einem realistischen Preissegment landet.»

  • Beat Cattaruzza Unternehmer und Gründer des DISPO

Praktische Tests

Die letzten sechs Monate hat das Projektteam denn auch genau solchen Versuchen gewidmet und die Raummodule in verschiedensten Konfigurationen getestet: Vom Dezember 2025 bis im März 2026 stand ein Modul vor dem DISPO im gedeckten Aussenraum. Ebenfalls nicht von Anfang an geplant: Auch zweistöckige Module sind möglich. «Wir haben ein Modul gebaut, in dem man unten wohnen oder arbeiten und oben schlafen kann – und Komfort und Statik sind gewährleistet», so Sigrist. Des Weiteren war in der DISPO-Halle ein Modul aus sieben hintereinander aufgereihten Segmenten als Sitzungszimmer und Ausstellungsraum im Einsatz. Und während eines Workshops in Südfrankreich testeten Studierende, ob sich einzelne Schichten auch aus recyceltem Material realisieren lassen. «Der Einsatz von beispielsweise alten Türen und Fenstern oder bereits anderweitig verwendeten PVP-Platten hievt die Nachhaltigkeit noch einmal auf ein anderes Level», sagt Sigrist.

Besonders gefreut hat den Projektleiter, dass sich die entwickelten Verbindungen zwischen den Rahmen und den unterschiedlichen Schichten tatsächlich wie erhofft mehrfach lösen und wieder befestigen lassen, ohne dass etwas beschädigt wird. Und dass sich die Segmente sehr einfach auf kleinen Rollwagen umherschieben lassen und somit tatsächlich sehr leicht neu zu kombinieren sind. «Wir sind stolz darauf, Interessierten nun ein komplettes modulares Baukasten-System präsentieren zu können», sagt Sigrist. «Selbstverständlich kann dieses auch in Zukunft weiterentwickelt oder angepasst werden. Das war ja genau das Ziel: Flexibilität zu ermöglichen, um unterschiedlichste ungenutzte Räume zu erschliessen», ergänzt Edyta Augustynowicz, Co-Fachgruppenleiterin des Instituts für digitale Bau- und Holzwirtschaft. 

«Der Einsatz von alten Türen und Fenstern oder bereits anderweitig verwendeten PVP-Platten hievt die Nachhaltigkeit noch einmal auf ein anderes Level.»

  • Christophe Sigrist Projektleiter «àDisposition»

Offen für neue Anwendungen

Die offizielle Projektlaufzeit mit Innosuisse-Förderung ist seit November 2025 abgeschlossen. Nun gilt es, konkrete Einsatzmöglichkeiten für die Raummodule zu finden. In einem nächsten Schritt müssen Herstellungs-, Miet- und Verkaufskosten systematisch ermittelt und an künftigen Projekten verifiziert werden. Das Ziel ist, in den nächsten drei Jahren zwei bis drei grössere Projekte zu realisieren und «àDisposition» damit zur Marktreife zu bringen. «Momentan suchen wir neue Projekte – wir sind komplett offen für verschiedenste Ideen», so Sigrist. In der kommenden Zeit möchte das Projektteam an Messen oder Veranstaltungen präsent sein. Vorgestellt wird das System etwa am Holzbautag Biel vom 10. September 2026.

Zurzeit sind in der DISPO-Halle in Biel rund 60 der neu entwickelten Elemente eingelagert, die zu Holzbau-Segmenten, und dann flexibel zu verschiedensten Modulen zusammengebaut werden können. Interessierte können sich bei Beat Cattaruzza melden und diese bei Bedarf ausleihen.

«Selbstverständlich kann das System weiterentwickelt oder angepasst werden. Das war ja genau das Ziel: Flexibilität zu ermöglichen, um unterschiedlichste ungenutzte Räume zu erschliessen.»

  • Edyta Augustynowicz Co-Lead Digital Fabrication Group

Holzbautag Biel: 10. September 2026

Bauen mit Holz – adaptiv, hybrid, zukunftsweisend
Die Veranstaltung bietet einen fundierten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Holzbau und schafft Raum für Diskussion und Vernetzung.

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