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Wenn aus Kokosfasern Innovation entsteht
20.10.2026 Wie wird aus einem Forschungsprojekt ein Unternehmen? Mit NaturLoop entwickelt BFH-Masterabsolvent Daniel Dinizo nachhaltige Werkstoffplatten aus Kokosfasern. Im Interview spricht er über Innovation, Kreislaufwirtschaft und den Weg vom Start-up in den internationalen Markt.
Das Wichtigste in Kürze
- NaturLoop entstand aus einem Forschungsprojekt der BFH und stellt mit Cocoboard® nachhaltige Werkstoffplatten aus Kokosfasern her.
- Kreislaufwirtschaft beginnt bereits bei der Entwicklung von Materialien und geht weit über Recycling hinaus.
- Erfolgreiche Innovation entsteht durch die Verbindung von Forschung, Marktnähe und starken Partnerschaften.
Daniel, wie entstand die Idee für NaturLoop?
Während meines Studiums und meiner Arbeit im Bereich Holz und nachhaltige Materialien wurde mir zunehmend bewusst, wie viele wertvolle Ressourcen weltweit ungenutzt bleiben. An der BFH arbeitete ich an einem Forschungsprojekt mit, das untersuchte, ob sich Prinzipien aus der Holzwerkstoffindustrie auf Kokosfasern übertragen lassen, um daraus einen hochwertigen Werkstoff zu entwickeln. Michail Kyriazopoulos hatte die Entwicklung des Produkts bereits mit angestossen und die ersten Schritte in Richtung eines Spin-offs vorangetrieben. Aufbauend auf diesen Forschungsarbeiten an der BFH gründeten wir gemeinsam NaturLoop. Unser Ziel war es, das Produkt weiterzuentwickeln, die Technologie zu industrialisieren und diese Ansätze langfristig auch auf andere bisher wenig genutzte Naturfasern zu übertragen.
Daniel Dinizo: Vom BFH-Absolventen zum Start-up-Gründer
Daniel Dinizo ist Mitgründer und CEO des Start-ups NaturLoop. Der Absolvent des Masterstudiengangs Wood Technology der Berner Fachhochschule BFH entwickelt mit seinem Unternehmen innovative Werkstoffplatten aus Kokosnussschalenfasern und anderen bislang wenig genutzten Ressourcen. Mit dem Produkt Cocoboard® verfolgt er das Ziel, nachhaltige Materiallösungen für Möbel und Innenausbau auf den Markt zu bringen und die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.
Was genau ist Cocoboard®?
Cocoboard® ist ein biobasierter Plattenwerkstoff aus Kokosnussschalenfasern und einem biobasierten Bindemittel. Er eignet sich für verschiedene Anwendungen im Möbel- und Innenausbau, für die üblicherweise Holzwerkstoffplatten eingesetzt werden – beispielsweise für Schränke, Tischplatten, Türen, Wandverkleidungen oder Raumteiler. Unser Ziel ist dabei nicht, Holz zu ersetzen. Cocoboard® schafft vielmehr eine zusätzliche Materialoption und leistet damit einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Bau- und Designwirtschaft.
Viele sprechen heute von Kreislaufwirtschaft. Was bedeutet das für euch konkret?
Für uns beginnt Kreislaufwirtschaft bereits bei der Materialentwicklung. Wir nutzen einen Rohstoff, der vielerorts als Reststoff anfällt. Gleichzeitig betrachten wir den gesamten Lebenszyklus, von der Wahl der Bestandteile bis zur Frage, wie das Material möglichst lange genutzt werden kann. Unser Ziel ist es, einen langlebigen Werkstoff zu entwickeln und zugleich Möglichkeiten für eine spätere Wiederverwendung und Rückgewinnung mitzudenken. Kreislaufwirtschaft endet für uns nicht beim Recycling. Sie beginnt mit der Frage, wie Materialien gestaltet werden, welche Ressourcen sie nutzen und welchen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Mehrwert sie schaffen können.
Welche Wirkung möchtet ihr über das Material hinaus erzielen?
Wir möchten zeigen, dass aus bisher wenig genutzten Ressourcen nicht nur nachhaltige Produkte, sondern auch wirtschaftlicher und sozialer Mehrwert entstehen kann. Die Rohstoffe für Cocoboard® stammen aus Regionen, in denen Kokosnüsse eine wichtige Rolle spielen. Wenn dort zusätzliche Wertschöpfung geschaffen wird, profitieren nicht nur Unternehmen, sondern auch die Menschen und Gemeinschaften entlang der Lieferkette. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit deshalb mehr als Umweltaspekte. Sie umfasst auch faire wirtschaftliche Perspektiven und positive Auswirkungen für die Gesellschaft. Genau in dieser Verbindung von ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Wirkung sehen wir den eigentlichen Impact unserer Arbeit.
Welche Rolle spielte die BFH auf eurem Weg?
Eine sehr wichtige! NaturLoop entstand aus einem Forschungsumfeld heraus. Die BFH bot uns Zugang zu Infrastruktur, Laboren, Fachwissen und einem starken Netzwerk. Gleichzeitig konnten wir unsere Ideen in einem Umfeld entwickeln, das Innovation und Unternehmertum fördert. Ohne diese Kombination aus Forschung, Praxis und Offenheit wäre unser Weg deutlich schwieriger gewesen.
NaturLoop gehörte zu den frühen Projekten im Timber Start-up Incubator der BFH. Was hat euch das gebracht?
Die Förderung hat uns geholfen, den Schritt von der Forschung in die Praxis zu machen. Gerade bei Materialinnovationen ist dieser Übergang anspruchsvoll, weil Entwicklung, Tests und Markteinführung viel Zeit benötigen. Besonders wertvoll war für uns der Austausch mit Menschen, die Erfahrung in Innovation, Unternehmertum und Marktaufbau mitbringen. Später hatten wir das Glück, Partner zu finden, die neben Kapital auch ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Netzwerke einbringen. Gerade für ein junges Unternehmen ist das sehr wertvoll.
Hat die BFH umgekehrt auch etwas von eurem Weg gelernt?
Ich denke schon. NaturLoop war eines der Projekte, an denen sichtbar wurde, welche Unterstützung technologieorientierte Start-ups tatsächlich benötigen. Unsere Erfahrungen haben dazu beigetragen, Förderangebote weiterzuentwickeln und noch stärker auf die Bedürfnisse von Gründungsteams auszurichten. Das finde ich besonders schön, weil dadurch auch zukünftige Start-ups profitieren können.
Heute arbeitet ihr international. Wie gelingt das?
Wir verbinden unterschiedliche Stärken. Forschung, Entwicklung und Innovation bleiben eng mit der Schweiz verbunden. Gleichzeitig arbeiten wir dort mit Partnern zusammen, wo die Rohstoffe verfügbar sind und wo Produktion sinnvoll stattfinden kann. Unser Markt liegt derzeit vor allem in Europa. Diese internationale Zusammenarbeit funktioniert nur mit Vertrauen, gemeinsamen Zielen und Werten. Genau dieses Zusammenspiel macht unsere Lösung möglich.
Was ist aus deiner Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor für Innovation?
Den Markt zu verstehen. Viele Innovationen scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass sie keinen konkreten Bedarf lösen. Deshalb ist es wichtig, früh mit potenziellen Kundinnen, Kunden und Industriepartnern zu sprechen. Forschung und Markt dürfen keine getrennten Welten sein. Je früher beide zusammenkommen, desto grösser sind die Chancen, dass aus einer Idee tatsächlich Wirkung entsteht.
Was würdest du jungen Innovatorinnen und Innovatoren mit auf den Weg geben?
Bevor man schneller wird, muss man besser werden. Gerade bei einem neuen Material braucht es Zeit, um zu testen, zu verbessern und zu verstehen, was der Markt wirklich braucht. Deshalb ist es wichtig, möglichst früh aus dem Labor herauszugehen und mit den Menschen zu sprechen, die später mit dem Produkt arbeiten. Und noch etwas: Man muss nicht alles selbst machen. Wir haben bewusst mit bestehenden Industriepartnern gearbeitet und vorhandene Produktionsinfrastrukturen genutzt. Innovation entsteht selten alleine. Starke Partnerschaften helfen, eine Idee aus dem Labor in die industrielle Anwendung zu bringen.