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Wenn Wasser zur Herausforderung wird – und zur Lösung
10.06.2026 Strassenabwasser ist weit mehr als Regenwasser: Wird es nicht behandelt, transportiert es Schadstoffe direkt in unsere Gewässer. Gleichzeitig stossen klassische Entwässerungssysteme, insbesondere in Städten, infolge des Klimawandels zunehmend an ihre Grenzen. Künftige Ansätze verbinden daher Strassenabwasserbehandlung, numerische Modellierung und blaue Infrastruktur zu integrierten Lösungen für saubere Gewässer und klimaresiliente Städte.
Das Wichtigste in Kürze
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Strassenabwasser enthält Schadstoffe wie Schwermetalle, Mikroplastik und Partikel – moderne Strassenabwasser-Behandlungsanlagen (SABA) sind entscheidend, um Gewässer zu schützen.
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Der Klimawandel belastet Entwässerungssysteme zunehmend; klassische Mischwasserkanalisationsnetze stossen bei Starkregen immer häufiger an ihre Grenzen.
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Numerische Modellierung unterstützt das Regenwassermanagement und ermöglicht integrierte Lösungen für eine klimaresiliente blaue Infrastruktur in Städten.
Regen fällt auf Strassen, Plätze und Dächer, nimmt Partikel, Schwermetalle und Mikroplastik auf und gelangt heute mehrheitlich ohne Behandlung über die Entwässerung direkt in Gewässer. Was lange als rein technische Entsorgungsaufgabe betrachtet wurde, ist heute eine zentrale Umwelt- und Planungsfrage: Wie lässt sich Regenabwasser so behandeln, dass die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigt wird und Städte gleichzeitig klimaresilient werden?
Vom Ableiten zum Behandeln
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Strassenentwässerung grundlegend verändert. Während früher die schnelle Ableitung im Vordergrund stand, rückt heute die gezielte Behandlung in den Fokus. Strassenabwasser enthält eine Vielzahl von Schadstoffen, insbesondere Schwermetalle, feine Partikel sowie Reifenabrieb, der zunehmend als Mikroplastikproblem anerkannt wird. Ohne gezielte Behandlung gelangen diese Stoffe direkt in Oberflächengewässer und ins Grundwasser, wo sie die Wasserqualität erheblich beeinträchtigen können.
Wasser fliesst ins Bildungsangebot ein
Strassenentwässerung und Strassenabwasserbehandlung sowie die Modellierung von Siedlungsentwässerungssystemen und blauer Infrastruktur zählen zu den Schlüsselthemen einer klimaresilienten Wasserwirtschaft. Im Masterstudiengang in Engineering im Vertiefungsprofil Civil Engineering erwerben Studierende dazu neu praxisnahes Know-how, um zukunftsfähige Lösungen aktiv mitzugestalten. Die Themen fliessen zudem in den Bachelorstudiengang Bauingenieurwesen sowie in die Weiterbildung CAS Siedlungsentwässerung ein und stärken so die gesamte Bildungskette im Bauwesen an der BFH.
Moderne Strassenabwasser-Behandlungsanlagen (SABA) setzen auf mehrstufige Verfahren: Sedimentation zur Abtrennung von Feststoffen sowie Filtration zum Rückhalt feiner Partikel und gelöster Schadstoffe. Ziel ist es, diese Stoffe zurückzuhalten, bevor sie in den natürlichen Wasserkreislauf gelangen. Neben der Reinigungsleistung spielen auch Flächenbedarf sowie Investitions- und Betriebskosten eine entscheidende Rolle. Gerade im urbanen Raum, wo Platz knapp ist, sind kompakte und effiziente Lösungen gefragt.
Zentral ist zudem die Dimensionierung von SABA und Entwässerungssystemen. Sie muss auf Niederschlagsereignisse, Einzugsgebiete und Belastungen abgestimmt sein, um sowohl im Regelbetrieb als auch bei Starkregen zuverlässig zu funktionieren. Praxisbeispiele zeigen, dass gut geplante Infrastrukturen nicht nur die Wasserqualität deutlich verbessern, sondern auch langfristig wirtschaftlich betrieben werden können. Exkursionen zu bestehenden Anlagen verdeutlichen, wie unterschiedlich Lösungen je nach Standort ausfallen können.
Dezentral denken, integriert handeln
Neben zentralen SABA gewinnen dezentrale Behandlungssysteme an Bedeutung. Zwar erzielen sie nicht die gleichen Reinigungseffekte wie zentrale Anlagen und verursachen höhere Unterhaltskosten, dafür ermöglichen sie eine flexible Anpassung an lokale Gegebenheiten. Die Herausforderung liegt in der Koordination dieser Systeme im Gesamtnetz. Ein Aspekt, der zunehmend an Bedeutung gewinnt.
«Ohne fundierte Analyse und Simulation bleibt die zukünftige Stadtentwässerung ein Flickwerk – erst ein systemisches Verständnis macht Wasserflüsse planbar und Städte klimafit.»
Grenzen klassischer Kanalisationen
Parallel wächst der Druck auf bestehende Entwässerungssysteme, in denen Regenabwasser vielerorts noch gemeinsam mit Schmutzwasser abgeleitet wird. Vermehrte Starkniederschläge infolge des Klimawandels führen dazu, dass Kanalisationsnetze zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Die Folge sind häufigere Entlastungen von Mischabwasser.
Hier setzt die Modellierung von Siedlungsentwässerungssystemen an. Mit hydrologischen und hydrodynamischen Simulationsmodellen lassen sich komplexe Zusammenhänge analysieren und zukünftige Szenarien abbilden. Es entsteht ein digitales Abbild dieser Systeme und ihrer Dynamiken, das hilft zu verstehen, wie Wasserflüsse, Speicher und Leitungen im Zusammenspiel funktionieren.
Die Modellierung erlaubt es, zentrale Fragen systematisch zu beantworten: Welche Bereiche sind besonders empfindlich gegenüber Starkregen? Welche Massnahmen erzielen die grösste Wirkung? Und wie lassen sich bestehende Systeme effizient erweitern oder anpassen? Gleichzeitig werden auch die Grenzen der Modelle sichtbar, etwa durch vereinfachte Annahmen oder Unsicherheiten in den Daten. Ein rein normativer Ansatz, dessen Relevanz angesichts des Klimawandels zunehmend hinterfragt wird, wird dabei durch lokales und kontextabhängiges Handeln ergänzt.
«Was von der Strasse abfliesst, entscheidet über die Qualität unserer Gewässer – moderne Strassenabwasserbehandlung ist deshalb zentraler Gewässerschutz.»
Blaue Infrastruktur als Antwort
Eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung spielt die Regenwasserbewirtschaftung mithilfe blauer Infrastruktur. Sie integriert Wasserflächen, Retentionsräume und Versickerungselemente in die Stadtplanung und ergänzt technische Systeme durch naturbasierte Lösungen. Konzepte wie die «Schwammstadt» verfolgen das Ziel, Regenwasser vor Ort zu speichern, zu nutzen und verzögert abzugeben. Dazu zählen beispielsweise begrünte Mulden, Gründächer, offene Wasserläufe oder versickerungsfähige Oberflächen. Diese Elemente wirken nicht nur hydraulisch, sondern verbessern auch das Stadtklima und die Aufenthaltsqualität. Wasser wird sichtbar sowie erlebbar und gleichzeitig funktional genutzt.
Wo sich die Themen verbinden
Genau an dieser Schnittstelle treffen Strassenabwasserbehandlung, Liegenschaftsentwässerung und Modellierung aufeinander. Die Behandlung von belastetem Oberflächenwasser ist ein zentraler Bestandteil moderner Entwässerungssysteme, während die Modellierung deren optimale Einbindung ermöglicht. Simulationen helfen, die Wirkung von Strassenabwasser-Behandlungsanlagen (SABA) zu prognostizieren, ihre Dimensionierung zu optimieren und ihre Rolle im Gesamtsystem zu verstehen. Gleichzeitig zeigen sie, wie sich dezentrale Behandlungsanlagen mit Elementen der blauen Infrastruktur kombinieren lassen, um Spitzenabflüsse zu reduzieren und die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern.
Vom technischen Detail zur Gesamtstrategie
Der Wandel ist deutlich: Strassenentwässerung entwickelt sich von einer technischen Pflichtaufgabe zu einem strategischen Instrument der Stadtentwicklung. Die Kombination aus innovativer Behandlungstechnik, datenbasierter Modellierung und blau-grünen Konzepten ermöglicht es, Wasserinfrastrukturen gezielt an zukünftige Anforderungen anzupassen.
Damit wird Wasser nicht nur sicher abgeführt, sondern aktiv genutzt – als Ressource für Klimaanpassung, als verbindendes Element urbaner Räume und als Grundlage für resilientere Städte.
Burgdorfer Abwassertag, 26. November 2026
Der Burgdorfer Abwassertag bietet eine Plattform für Information und Austausch zu aktuellen Herausforderungen der Siedlungswasserwirtschaft und Abwasserbehandlung. Im Fokus stehen Themen wie Regenwasserbewirtschaftung, urbane Kühlung sowie Schadstoffe in der Entwässerung und deren Zusammenhänge im Kontext des Klimawandels.