Wie smarte Haushaltsgeräte unser Verhalten und unseren Energieverbrauch verändern

08.01.2026 Wenn der Boden mit weniger Aufwand häufiger und sogar länger gereinigt werden kann, spricht das klar für smarte Haushaltsgeräte. Oder...? Welche Auswirkungen die Nutzung dieser Technologien auf uns und unseren Energieverbrauch hat, klärt eine neue Studie von Jan Bieser, Emilie Vrain und Charlie Wilson.

Smarte Haushaltsgeräte gelten als Hoffnungsträger für mehr Komfort, Zeitersparnis und Energieeffizienz. Doch bislang gab es nur wenige belastbare Daten darüber, wie diese Technologien im Alltag tatsächlich genutzt werden und welche Auswirkungen sie haben. Genau diese Lücke schliesst eine neue Studie von Prof. Dr. Jan Bieser, Assistenzprofessor am Institut Public Sector Transformation der BFH-Wirtschaft, in Zusammenarbeit mit dem Environmental Change Institute der Universität Oxford.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein sogenanntes Reallabor mit zehn Haushalten im Vereinigten Königreich, die über einen längeren Zeitraum Staubsaugerroboter einsetzten. Anders als viele frühere Studien, die auf kurze Beobachtungen oder theoretische Modelle beschränkt waren, erfasste diese Studie über 15 bis 18 Monate hinweg reale Zeit-, Energie- und Nutzungsdaten. Dazu gehörten Zeitprotokolle, gemessene Stromverbräuche, App-Daten, sowie persönliche Einschätzungen der Teilnehmenden.

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Durch den Einsatz der Roboter wurde der Boden insgesamt 32 Prozent häufiger und sogar 189 Prozent länger gereinigt. Gleichzeitig sank der manuelle Reinigungsaufwand um 45 Prozent – ein klarer Zeitgewinn für die Haushalte. In vielen Fällen ging auch der Energieverbrauch zurück, da Staubsaugerroboter deutlich weniger Leistung aufnehmen als manuelle Geräte. Das liegt unter anderem daran, dass sie batteriebetrieben sind und deshalb von vornherein so konzipiert werden, dass sie mit der begrenzten Batteriekapazität effizient umgehen. 

In einigen Haushalten stieg der Stromverbrauch jedoch an, weil die Geräte deutlich intensiver genutzt wurden als manuelle Staubsauger. Dies deutet auf ein generelles Risiko hin, so Jan Bieser: «In Zukunft werden  immer mehr smarte Geräte Einzug in Haushalte finden. Dadurch werden Tätigkeiten, die früher ohne Strom auskamen, zunehmend elektrifiziert. Zwar sparen Menschen Zeit, können dafür aber mehr Aktivitäten in ihren Alltag integrieren und der Energieverbrauch dieser vielen einzelnen Tätigkeiten summiert sich. Das birgt das Risiko, dass der gesamte Energieverbrauch in Haushalten trotz Effizienzgewinnen ansteigt.» Damit technische Innovationen tatsächlich zu Energieeinsparungen beitragen, sollte bereits in der Produktentwicklung berücksichtigt werden, wie sie im Alltag genutzt werden und welche Design-Merkmale wirksam beim Energiesparen unterstützen.

Mehr erfahren