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Köpfe der Forschung: Diana Rojas-Feile

18.08.2026 Diana Rojas-Feile ist Regisseurin, Schauspielerin und Autorin. Sie forscht im SNF-Projekt «Ästhetisierung von Kriegsgewalt» an der HKB im Institut Praktiken und Theorien der Künste.

Aufgewachsen ist Diana Rojas-Feile in Kolumbien und studierte an der Universidad Nacional Volkswirtschaft. Danach führte sie ihr Weg für eine Theaterausbildung nach Frankreich an die École Internationale de Théâtre Jacques Lecoq in Paris, die sie 2014 mit einem Master Expanded Theater am Fachbereich Theater der HKB ergänzte. Heute schreibt sie ihre Dissertation an der Universität Hildesheim und forscht im SNF-Projekt «Ästhetisierung von Kriegsgewalt» an der HKB im Institut Praktiken und Theorien der Künste. Daneben entwickelt und leitet sie regelmässig eigene künstlerische Produktionen.

Diana Rojas-Feile, in deinen Projekten bist du stets transdisziplinär und multimedial unterwegs. Weshalb ist dir dies wichtig?

Seit zehn Jahren verbinde ich dokumentarische Audiokunst und Video. Erfahrungen wie Gewalt, Verlust und Überleben lassen sich für mich weder allein sprachlich noch in klassischen frontalen Theatersituationen vermitteln. Dafür brauche ich Multiperspektivität in Inhalt und Form: Klang, bewegte Bilder, installative Räume und aufmerksames Zuhören. Oft arbeite ich in einer künstlerischen Produktion mit Kopfhörern, die innerhalb eines gemeinschaftlichen Erlebnisses individuelle emotionale Reisen ermöglichen.

«Erfahrungen wie Gewalt, Verlust und Überleben lassen sich für mich weder allein sprachlich noch in klassischen frontalen Theatersituationen vermitteln.»

  • Diana Rojas
Porträt von Yannick Wey mit Blasinstrument in der Hand
Diana Rojas-Feile

Im Frühling war eure Gruppe des SNF-Projekts «Ästhetisierung von Kriegsgewalt» für einen längeren Forschungsaufenthalt in Kolumbien. Wo lag dabei euer Fokus?

In unserem SNF-Projekt gehen wir Fragen nach der Darstellbarkeit von Kriegsgewalt in Bezug auf die dokumentarisch arbeitende Theater- und Performanceszene nach. In der Schlussphase meines dreijährigen Teilprojekts, das die Rekrutierung von Minderjährigen im kolumbianischen Bürgerkrieg fokussiert, reiste die Gruppe mit nach Kolumbien. Sie besuchte meine Forschungsaufführung «Kein Mindestalter für den Krieg» am Centro Nacional de las Artes in Bogotá und lernte dabei die vor Ort erprobten Inszenierungsstrategien kennen. Dazu gehörten: die spanischsprachige Aufführung von «Corazón Rudo», die Gestaltung eines Wandbildes, ein Live-Podcast mit Ex-Kombattant*innen sowie verschiedene diskursive Formate. Zudem tauschten wir uns mit Forschenden verschiedener Universitäten aus, besuchten Erinnerungs- und Kunstprojekte und führten Gespräche mit Künstler*innen, die zu ähnlichen Themen arbeiten. So erweiterten wir unsere Perspektiven über Europa hinaus und erhielten wichtige Impulse für unsere anstehende Publikation.   

Vom 27. bis 30. August zeigst du am Theaterspektakel Zürich und vom 2. bis 4. September in der Aktionshalle der Roten Fabrik die Installation «Corazón Rudo», in Deutsch: Raues Herz. Wie hast du diese im Rahmen des SNF-Projekts entwickelt?

«Corazón Rudo» entstand in zweijähriger Zusammenarbeit mit Menschen, die in Kolumbien als Minderjährige von bewaffneten Gruppen rekrutiert wurden, sowie mit Kunstschaffenden und Mitarbeitenden staatlicher Institutionen und NGOs. Im SNF-Projekt konnte ich meine Forschungsfrage konsequent verfolgen und Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich eine solch heikle Thematik künstlerisch verhandeln lässt. Aus den Experimenten entstanden Verfahren zur Anonymisierung der Stimmen von Ex-Kombattant*innen, die ihrem Schutz dienen, und Formen der fiktionalen Verdichtung sowie ein Zusammenspiel von Musik und Raum, die ich nun im Stück zeige.

Auch organisiert ihr am 5. November eine Tagung im Landesmuseum in Zürich. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was erwartet uns?

Nach unserer Podiumsdiskussion im Jahr 2024 am Schauspielhaus Zürich wurde das kuratorische Team der aktuellen Ausstellung «Wir und der Krieg» auf unser Projekt aufmerksam und suchte den Austausch mit uns. Daraus entstand die Idee, unser Forschungsprojekt im Landesmuseum mit einem Symposium abzuschliessen. Im Zentrum steht die Frage, wie Künste Krieg und Gewalt verhandeln und welche ethischen und emotionalen Wirkungen daraus entstehen. Geplant sind zwei Workshops, ein Podiumsgespräch sowie eine für den White Cube adaptierte Kurzfassung von «Corazón Rudo».

 

Vielen Dank für dieses Gespräch. 

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