KompetenzKompass

Die BFH und die Inselgruppe entwickeln in einem Pilotprojekt ein Instrument und einen Prozess zur standardisierten Erfassung der Kompetenzentwicklung während der Praktika von Tertiär-Studierenden.

Steckbrief

Ausgangslage

Angehende Gesundheitsfachpersonen müssen im Rahmen ihrer Ausbildung bzw. ihres Studiums in der Regel verschiedene Praktika von mehreren Wochen oder Monaten in der klinischen Praxis absolvieren. Die inhaltlichen und formalen Anforderungen an die Praktika sind definiert, variieren jedoch je nach Berufsgruppe und Ausbildungsstand. In der klinischen Praxis werden die Auszubildenden bzw. Studierenden durch Berufsbildner*innen, Praxisausbildner*innen und diplomierte Fachpersonen ausgebildet. Die Ausbildung soll in bestmöglicher Qualität erfolgen. Um Massnahmen zum Erhalt und der Verbesserung der Ausbildungsqualität abzuleiten und umzusetzen, soll die Kompetenzentwicklung der Studierenden besser abgebildet werden. Aktuell fehlt hierzu ein geeignetes Instrument. In einem Pilotprojekt sollen ein Instrument und einen Prozess zur standardisierten Erfassung der Kompetenzentwicklung während der Praktika von Tertiär-Studierenden im Bereich Pflege (HF, FH) erstellt, implementiert und evaluiert werden.

Vorgehen

Es sollten die Kompetenzen der Studierenden in den vier Dimensionen Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz bei Eintritt und Austritt in ein Praktikum strukturiert erhoben werden. Für die Messung wurde die Systematik der Situational Judgement Tests (SJT) in Form von Multiple-Choice-Antworten gewählt. Es handelt sich somit um einen formativen Fragebogen. Die SJTs bestehen dabei aus praxisnahen Fallvignetten, in denen mehrere mögliche Handlungsoptionen aufgeführt werden. Keine Antwort ist «falsch», die Optionen unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Komplexität. Die Kandidatinnen wählen jene Option, die ihrem aktuellen Ausbildungsstand am ehesten entspricht. Damit basiert der Test auf einer Selbsteinschätzung, die den individuellen Kompetenzstand sichtbar macht. Zur Skalierung wurden das 5-Stufen-Modell von Dreyfus & Dreyfus (1980) sowie die berufspädagogische Adaption von Rauner (2002) herangezogen. Um die SJTs konsistent in den vier Dimensionen zu erstellen, wurden die Kompetenzdimensionen anhand des Rahmenlehrplans OdASanté (2021) umgesetzt. Die dort beschriebenen Abschlusskompetenzen wurden als Endpunkte (höchstes Niveau) definiert. Pro Erhebungszeitpunkt wurden 15 Fallvignetten erarbeitet, die vor der technischen Umsetzung durch Expert:innen validiert und einem Pre-Test mit 30 Studierenden unterzogen wurden. Im Rahmen eines Pilotversuchs am Inselspital Bern wurden die Tests erstmalig eingesetzt und von über 100 Studierenden bei Ein- und Austritt absolviert.

Ergebnisse

Der Pilotversuch zeigte, dass die Überprüfung der Kompetenzen auf Basis von SJTs in der Praxis durchführbar ist und lernwirksame Entwicklungsverläufe sichtbar macht. Zwischen Praktikumsbeginn und -ende steigen die Werte in allen Kompetenzdimensionen konsistent an. Ein deutlicher Zuwachs zeigte sich besonders bei niedrigeren Semestern, in höheren Semestern wurde eher eine Konsolidierung auf höherem Niveau abgebildet. Die Vignettenlogik wird von Praxis und Studierenden akzeptiert. Die Erhebung bei Eintritt diente ferner als Grundlage für die individuell besser angepasste Ausbildung; Berufsbildner*innen, Praxisausbildner*innen und Studierende nutzen die Ergebnisse zur Reflexion, Diskussion und Entwicklung während des Praktikums. Die Erhebungen wurden in die betrieblichen Prozesse integriert, um eine nachhaltige Umsetzung zu ermöglichen. Sie bilden somit die Ausbildungsleistungen der Praxisinstitution ab. Sie ermöglicht eine Optimierung der klinischen Ausbildung, in dem die individuelle Kompetenzentwicklung der Studierenden besser berücksichtigt werden können. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung und Qualitätsverbesserung der Ausbildung.

Ausblick

Die hier entwickelte Systematik soll in nächsten Schritten erweitert werden. Es sollen grundsätzlich mehr Fallvignetten erarbeitet werden. Dabei wird angestrebt, im Rahmen der Pflegeinitiative, auch weitere Institutionen in die Entwicklung einzubinden, so dass Vignetten für weitere Settings (z.B. Langzeitpflege, Psychiatrie) vorliegen.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 3: Gesundheit und Wohlergehen
  • 4: Hochwertige Bildung