Passerelle 2010-2011 – Erfahrungsbericht

Passerelle 2010-2011 – Erfahrungsbericht

Patrick Grossmann fand den Weg, durch eine Mountainbike-Tour und über die Passerelle, zum Studiengang Elektro- und Kommunikationstechnik der Berner Fachhochschule Technik und Informatik.

Ich stamme aus einer typisch akademischen Familie – meine Eltern haben beide den Doktor-Titel. Deshalb war mein Weg auch schon etwas vorgespurt und so startete ich das Gymnasium in Deutschland und habe es anschliessend in der Schweiz abgeschlossen.

Das Gymnasium war für mich eher etwas langweilig – man lernte und rechnete viel, aber konnte schlussendlich nichts umsetzen. Für mich war bis zur Sekunda klar– nach dem Gymi geht’s an die Uni. Aufgrund meines Hobbys, Mountainbiken, bekam ich einen Drang nach praktischer Erfahrung, da Reparaturen am Bike nicht selten nötig waren. So realisierte ich zum Ende des Gymnasiums eine praktische Maturarbeit. Leider überforderte diese praktische Arbeit meine Betreuer, so dass die Benotung eine Enttäuschung war. Ich bemerkte, dass ich auf einem theoretisch ausgerichteten Pfad der Ausbildung unterwegs war: Selbständigkeit am Gymnasium? Fehlanzeige! Praxis am Gymnasium? Fehlanzeige! Berechnung von XY, aber nicht wissen wofür? Viel zu oft der Fall!

Durch mein Hobby kam es dann schliesslich auch dazu, dass ich mit ein paar FH-Studenten und Uni-Studenten auf dem Mountainbike in den Bergen unterwegs war – bis plötzlich jemand von uns die Seitenwand seines Reifens aufgeschlitzt hatte. Währen der Uni-Student überlegte, wie er nun vorgehen soll und nach Lösungen suchte, hat der FH-Student bereits spontan improvisiert und konnte den kaputten Reifen mithilfe von einer schnell zurecht geschnippelten PET Flasche wieder halbwegs reparieren. Tja, und da war mir klar, ich möchte ein Studium wählen, welches praktisch orientiert ist.

Kaum zu Hause angekommen habe ich mich sofort informiert, wie die Zulassungsbedingungen einer FH sind und wo ich eine geeignete Fachhochschule finde. Über das Internet bin ich auf die BFH mit dem Passerellen-Programm gestossen. Gemäss den Anmeldedaten war ich schon viel zu spät dran, aber dies hinderte mich nicht daran, mich trotzdem für das Passerellen-Programm anzumelden. Thomas von Burg, Projektleiter der Passerelle, freute sich – trotz der Kurzfristigkeit – über meine Anmeldung. Er koordinierte sofort mit der Administration, dass meine Anmeldung umgehend erfasst und bestätigt wurde. Auch das Problem mit einem Praktikumsplatz konnte Herr von Burg durch seine guten Beziehungen zu Firmen lösen und ich konnte mich kurze Zeit später bei einigen Firmen um einen Praktikumsplatz bewerben.

Der dreimonatige Vorkurs hat mich für das anschliessende Praktikum fit gemacht. Denn bis zum Vorkurs konnte ich weder löten, hatte keine Ahnung von Bedienung von Maschinen, noch hatte ich Ahnung vom Programmieren. Im Vorkurs waren auch die Arbeits- und Studienwelterfahrungen ein grosser Mehrwert für mich, diese dienten mir für das nachfolgende Praktikum. Ich lernte dort, wie man sich bei einem Vorstellungsgespräch richtig vorstellt, konnte ein professionelles Dossier zusammenstellen uvm. Ein persönliches Highlight im Vorkurs war, dass wir selber einen Roboter bauen und programmieren konnten. Beweisen durften wir uns dann in einem Roboter-Wettkampf, in dem ein Parcours mit Hindernissen gemeistert werden musste.

Als ich das neunmonatige Praktikum bei der Firma Enotrac AG (Ingenieurunternehmen für Eisenbahntechnik, Engineering und Consulting) begann – war ich persönlich in der Realität angekommen. Ich musste/durfte Verantwortung tragen, lernte mit Kritik und Fehlern umzugehen und sammelte erste Erfahrungen im Zeitmanagement und im Umgang mit dem eigenem Einkommen. Ebenfalls erhielt ich die Chance in Projekten wie NEAT und ReFit der Züge des ZVV usw. mitzuarbeiten und durfte bei Messungen in Zermatt und Andermatt unterstützen.

Nach dem Praktikum ging ich trotz der Passerelle an die ETH, da mir überaus positiv über sie berichtet wurde. Einige Monate nach dem Start an der ETH im Elektrotechnik-Studium empfand ich das ganze Studium als nicht sehr passend für mich. Ich hatte etwas anderes erlebt, als mir das Studium zeigen wollte. Mein Ziel war also möglichst schnell wieder zurück an die FH zu kommen. Was ich dann auch sehr schnell und konsequent tat. Es war gut, die andere Seite des akademischen Studiengangs gesehen zu haben und zu wissen, den richtigen Weg für mich gewählt zu haben.

Heute – drei Jahre nach dem Passerellen-Pogramm studiere ich Elektro- und Kommunikationstechnik im 4. Semester an der Berner Fachhochschule Technik und Informatik. Im nächsten Semester werde ich im Rahmen meines Studiums ein dreimonatiges Praktikum in Vietnam absolvieren. Mein Ziel ist es, nächstes Jahr mein Bachelor-Studium erfolgreich abzuschliessen um anschliessend den Master in Biomedical-Engineering anzuhängen. Und danach: Möchte ich ganz raus in die Praxis.

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Autor

Patrick Grossmann

Student Elektro- und Kommunikationstechnik

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