- Story
«Unterricht ist Begegnung»
03.06.2026 Seit 30 Jahren prägt Roland Stähli die Lehre an der BFH-HAFL. Seine Tätigkeit führte ihn in viele Länder. Ob in Zollikofen, Chile oder der Mongolei: Lehrpersonen wollen wissen, wie Lernen gelingt.
Seit dreissig Jahren arbeite ich an der BFH-HAFL. Wenn ich an den Beginn hier zurückdenke, sehe ich meine Probelektion vor mir. Das Thema war Disziplin im Unterricht und nicht gerade einfach. Dennoch wurde ich angenommen und bin seither geblieben. Ich bin im ländlichen Raum verwurzelt.
Als Pfarrerssohn bin ich früh vielen Menschen begegnet und habe jedes Jahr Ferien auf einem Bauernhof verbracht. Der Umgang mit Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Auch an der BFH-HAFL schätze ich die Vielfalt und die Energie der Menschen.
Obwohl ich oft mit schwierigen Fällen konfrontiert bin, hält mich der Umgang mit den Studierenden jung. Viele besondere Momente verbinde ich mit Kolleginnen, Kollegen und Studierenden: Diplomfeiern, Abschiede oder die Gespräche im Alltag. Auch privat ist mein Leben reich an Begegnungen. Meine Frau und ich haben oft Gäste – manchmal auch Menschen, die ich durch meine Reisen für die BFH-HAFL kennengelernt habe.
Guter Unterricht hat für mich drei Säulen: die Haltung der Lehrperson, das didaktische Handwerk und das Verständnis fürs Lernen selbst.
Ein besonderer Teil meiner Tätigkeit waren die Weiterbildungsprogramme. In den ersten zehn Jahren koordinierte ich Seminare für Lehrpersonen aus aller Welt.
Wir organisierten sie abwechslungsweise in der Schweiz oder im Ausland – in Südafrika, Honduras, Guatemala und Chile. Trotz unterschiedlichster Lebensumstände beschäftigten sich alle Lehrpersonen der Welt mit ähnlichen Fragen: Wie motiviere ich zum Lernen? Wie gestalte ich Unterricht spannend? Wie bewerte ich fair?
Später durfte ich mit Hilfsorganisationen in die Mongolei, nach Kirgisistan, Laos und Kambodscha reisen. Speziell die Mongolei werde ich nie vergessen: Unterrichten bei minus 30 Grad im Januar, das war eine Erfahrung!
In Chile besuchte ich vierzehn Landwirtschaftsschulen, um Lehrpläne zu entwickeln. Diese Begegnungen – ob privat oder für den Unterricht – haben mich geprägt. Noch heute fliessen diese Erkenntnisse in unsere Arbeit ein, etwa in der Gruppe «Unterricht und Beratung».
Guter Unterricht hat für mich drei Säulen: die Haltung der Lehrperson, das didaktische Handwerk und das Verständnis fürs Lernen selbst. Viele Lehrpersonen sind fachlich sehr stark, doch bei lernpsychologischen Fragen braucht es mehr Unterstützung.
Wenn ich nochmals dreissig Jahre an der BFH-HAFL hätte, würde ich mich weiterhin für die Qualität der Lehre einsetzen. Und dafür, dass junge Lehrpersonen an berufsbildenden Schulen intensiver begleitet werden. Immer wichtiger werden zudem die sogenannten Future Skills und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Beispiel mit anderen Departementen der BFH.