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Mehr als ein Besuch: Wie intergenerationelle Begegnungen gelingen

24.08.2026 Intergenerationelle Begegnungen zwischen Kita-Kindern und Bewohnenden von Alters- und Pflegeheimen können den Alltag beleben und Vorurteile abbauen. Eine Studie fasst nun zusammen, was bei der Planung, Durchführung und Auswertung beachtet werden sollte.

Heimbewohnerin mit Kleinkind

Werden verschiedene Altersgruppen mit dem Ziel des generationenübergreifenden Austauschs, Lernens, Verständnisses und sozialer Teilhabe in einem bewusst gestalteten Rahmen zusammengebracht, spricht man von intergenerationellen Begegnungen. Sie sind eine Möglichkeit, wie (Klein-)Kinder ältere Menschen kennenlernen und ein differenziertes Altersbild entwickeln können. Auf der anderen Seite können Bewohnende von Alters- und Pflegeheimen eine jüngere Generation erleben, die in ihrem Alltag nicht präsent ist und diesen bereichern könnte.

«Herrlich, ich habe es wirklich genossen. Es ist die einzige Möglichkeit mit Kindern zusammen zu sein, wenn man keine Enkel hat.»

  • Ein*e Heimbewohner*in

«Für uns ist es schön zu sehen, wie gerade bei den Menschen mit Demenz die Augen zu leuchten beginnen.»

  • Eine Fachperson

In der Schweiz bieten unterschiedlichste Institutionen intergenerationelle Begegnungen in verschiedenen Modellen an. Während deren Wirkungen international relativ gut erforscht sind, besteht in der Schweiz noch keine Übersicht über die Angebote, Ziele und Erfolge. Entsprechend ist auch wenig über die Gelingensfaktoren und Stolpersteine bekannt, die bei der Umsetzung solcher Angebote beachtet werden sollen.

Diese Aspekte wurden in einem Forschungsprojekt des Instituts Alter im Auftrag von Intergeneration untersucht. In Fokusgruppen kamen dabei Fachpersonen von Kindertagesstätten (Kitas) und Alters- und Pflegeheimen (APH) aus drei Kantonen zu Wort. Diese Fachperspektive wurde mit der Sichtweise älterer Personen ergänzt, die in den untersuchten Kantonen Erfahrungen mit intergenerationellen Angeboten gemacht haben. Spezifisch im Fokus standen Begegnungen, an denen Menschen mit Demenz teilnehmen.

Intergeneration

Auf der Plattform der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG können Fachleute, Organisationen und interessierte Privatpersonen sich zu Generationenthemen vernetzen und ihre Erfahrung und ihr Wissen austauschen. Sie bietet zentrale Grundlagen, Beiträge und Informationen aus der Forschung. Intergeneration begleitet zudem thematisch passende Projekte – wie z.B. die hier vorgestellte Studie.

intergeneration.ch

Start als Pionierprojekt

Es zeigt sich, dass intergenerationelle Begegnungen häufig auf Initiative von stark intrinsisch motivierten Fachpersonen ins Leben gerufen werden. Diese Pionier*innen sind vom Wert des Angebots überzeugt und bereit, allfällige Widerstände zu überwinden. Eine mögliche Hürde bestand in den Vorurteilen oder stereotypen Vorstellungen von Eltern und Mitarbeitenden gegenüber einer beteiligten Gruppe. Im Kontext der intergenerationellen Begegnungen ist es wichtig, Befürchtungen und Vorurteile im gemeinsamen Gespräch zu thematisieren, um die Wahrnehmung zu differenzieren. Denn ein reflektierter Umgang und die Auseinandersetzung sind eine Chance zu Veränderung.

«Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich, dass verschiedene Generationen im Alltag zusammenfinden. Deshalb finde ich es sehr wertvoll, dass es diese intergenerationellen Begegnungen gibt.»

  • Eine Fachperson

Generationenbegegnungen sind eine Möglichkeit, wie (Klein-)Kinder Menschen im höheren oder hohen Lebensalter und mit grösseren oder kleineren Beeinträchtigungen kennenlernen und so ein differenziertes Altersbild entwickeln können.

Wirkungen und Voraussetzungen

Neben Kindern und älteren Menschen sind Eltern und Mitarbeitende von Kitas und APHs wichtige Akteure bei intergenerationellen Begegnungen. Auch sie sind gefordert, sich mit Themen auseinanderzusetzen und sich auf Altersgruppen einzulassen, die ihnen vielleicht nicht vertraut sind. So können intergenerationelle Begegnungen über die primären Zielgruppen hinaus eine Wirkung entfalten.

«Wir haben die Eltern zu einer Führung durch die Demenzabteilung eingeladen. Zu Beginn fragte ich sie, was sie da drinnen wohl erwarten wird. Einige meinten, dass es da laut sei und viel gelärmt wird. Aber da drinnen war absolute Ruhe…»

  • Eine Fachperson

Dazu braucht es jedoch bestimmte Voraussetzungen wie geeignete Infrastruktur, räumliche Nähe von APH und Kita sowie eine gewisse Konstanz des Angebots. Auch benötigt es ausreichende personelle Ressourcen für Planung, Durchführung und Evaluation des Angebots. Während der Vorbereitung sollten die verantwortlichen Fachpersonen unter anderem:

  • in eine transparente Kommunikation investieren,
  • Absprachen zwischen Kita und APH vornehmen,
  • genügend motivierte und kompetente Personen für die Durchführung rekrutieren,
  • sich Gedanken bezüglich Durchführungsort und Aktivitäten machen,
  • Teilnehmende sorgfältig auswählen, für die eine intergenerationelle Begegnung passend ist.

Durchführung und Nachbearbeitung

Während der Durchführung müssen die älteren und jungen Teilnehmenden sorgfältig durch Fachpersonen begleitet werden. Diese sollten:

  • frühzeitig Hinweise auf eine Überforderung – z.B. durch einen hohen Geräuschpegel – bei teilnehmenden Personen wahrnehmen,
  • einen passenden Umgang mit Nähe und Distanz zwischen den Teilnehmenden gewährleisten,
  • darauf achten, dass die Generationen in einen echten Austausch kommen.

In der Nachbearbeitung kann es nötig sein, Kindern Fragen zu beantworten und Geschehnisse oder Verhaltensweisen mit ihnen einzuordnen – wenn bspw. eine Person wiederholt dieselben Fragen stellt. Auch die älteren Personen können Gesprächsbedarf haben, weil sich Kinder bspw. in einer Art und Weise verhalten, die ihnen nicht vertraut ist. Auch mit Eltern, An- und Zugehörigen von Bewohnenden oder Mitarbeitenden ist eine Nachbearbeitung empfehlenswert. Mindestens sollte eine Offenheit für Fragen und Anliegen signalisiert werden.

«Bei den Kindern ist es interessant, wie natürlich sie mit dem Thema Tod umgehen. Wir haben viel die grösseren ‹Chnörz› damit.»

  • Eine Fachperson

Massnahmen zur nachhaltigen Verankerung

Die involvierten Fachpersonen müssen somit vielfältigen und anspruchsvollen Anforderungen gerecht werden. Die entsprechenden Kompetenzen können nicht selbstverständlich vorausgesetzt werden. Mit gezielten Schulungen und durch die Vernetzung mit Fachpersonen, die bereits Erfahrung mit intergenerationellen Begegnungen oder Interesse in diesem Bereich haben, können solche Kompetenzen gefördert werden. Für die Institutionalisierung der Angebote wäre es hilfreich, wenn das Thema Intergenerationalität in der Aus- und Weiterbildung stärker verankert wäre. Eine formelle Unterstützung und Anerkennung auf politischer Ebene, auch finanzieller Art, würde die Akteure der Praxis weiter unterstützen.

Durch die vorgestellten Massnahmen kann es gelingen, intergenerationelle Begegnungen sorgfältig umzusetzen und zu etablieren. Wie die Studie zeigt, profitieren davon sowohl Bewohnende von APHs, insbesondere Personen mit einer Demenzerkrankung, Kita-Kinder und deren Eltern sowie Mitarbeitende der beteiligten Institutionen.

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