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OH BOY* – Die Fachstelle für geschlechterreflektierte Jungenarbeit
25.03.2026 Mit der Fachstelle OH BOY* entsteht in der Schweiz erstmals eine zentrale Anlaufstelle für geschlechterreflektierende Jungenarbeit. Sie richtet sich an Schulen, Jugendeinrichtungen und Fachpersonen. Ihr Ziel ist es, Jungen*, männliche Jugendliche und junge Männer in ihrer Entwicklung jenseits einengender Männlichkeitsnormen zu stärken.
Was passiert, wenn sich engagierte Akteure im Kinder- und Jugendbereich vernetzen und sich gegenseitig zum gemeinsamen Handeln für eine «Kindheit ohne Genderbarrieren» inspirieren? Diese Frage stellte sich die Stiftung Mercator Schweiz und ging ihr 2022 bis 2024 in einem co-kreativen Prozess nach. In drei grösseren Veranstaltungen versammelte sie eine bunte Mischung von zivilgesellschaftlichen Akteuren aus Bereichen wie Kunstpädagogik, Bibliotheken, Hoch-/Schulen oder der Offenen Jugendarbeit. In einem offenen Prozess sollten sich die Organisation vernetzen, über die eigenen Handlungsfelder hinausdenken, Gemeinsamkeiten finden und zusammen strukturelle Veränderungen vorantreiben. Dazu wurde auch ich eingeladen, um unsere Erfahrungen aus dem BFH-Forschungs- und Weiterbildungsprojekt «Genderreflektierende Offene Jugendarbeit» miteinzubringen.
Jungs* nicht alleine lassen
Im Gespräch beim Mittagessen kamen Michael Koger, damals Projektleiter bei okaj zürich, und ich zum Schluss, dass es dringend patriachatskritische, genderreflektierende Jungenarbeit braucht und Angebote für Fachpersonen, um Jungs* professionell geschlechterreflektiert zu begleiten. Denn der gesellschaftliche Anspruch an Jungs* ist hoch und widersprüchlich: sie sollen sich von einengenden Männlichkeitsvorstellungen lösen, verantwortungsvoll mit Macht, Privilegien und eigenen Emotionen umgehen sowie neue Verhaltensweisen entwickeln. Gleichzeitig müssen sie stark, souverän und hart sein, um sich in der gleichgeschlechtlichen Peergroup zu behaupten.
Es entstand die Idee einer Fachstelle für geschlechterreflektierende Jungenarbeit, die bei der Stiftung Mercator auf fruchtbaren Boden fiel. Die Stiftung unterstützte das Projekt finanziell u.a. in der Hoffnung: wenn Jungs von den Anforderungen traditioneller Männlichkeit entlastet werden, zeigen sie weniger sexistisches Verhalten – was sich im Endeffekt auch positiv auf Mädchen* auswirkt.
Angebote für Schulen und Fachpersonen
Anfang dieses Jahres wurde die Fachstelle OH BOY* nun ins Leben gerufen. Sie ist Teil von männer.ch, dem Dachverband Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Die Leitung der Fachstelle teilen sich Michael Koger und Kambez Nuri, ich vertrete die BFH im Sounding Board der Fachstelle. Ihr Konzept ist bewusst offengehalten: «Die Fachstelle OH BOY* ist Anlaufstelle, Drehscheibe und Knowhow-Hub für Schulen, Fachpersonen und Institutionen, die mit Jungen, männlichen Jugendlichen und jungen Männern unterwegs sind.»
Konkret bietet OH BOY* Workshops und Interventionen für Schulen und Jugendeinrichtungen an, stellt einen Methodenkoffer für genderreflektierende Jungenarbeit zur Verfügung, organisiert ganztägige «Labore», in denen Fachpersonen aus der Jugendarbeit Fachthemen diskutieren, und engagiert sich auf Podien und in Medien. Das Angebot stösst bereits jetzt bei Schulen und Jugendeinrichtungen, Präventionsfachstellen von Gemeinden und der Polizei auf Resonanz.
Der weitere Weg
Vieles ist geklärt – und vieles ist noch offen: Wie intersektional arbeiten wir? Was bedeutet der Anspruch der Patriachats- und Rassismuskritik für die Fachstelle OH BOY*? Welche Angebote werden von den Fachpersonen nachgefragt und brauchen sie allenfalls zusätzlich? Wer ist bereit, Zeit und Geld in entsprechende Weiterbildungen zu investieren? Wie lässt sich die Fachstelle nachhaltig finanzieren? In dieser zweiten Etappe der Aufbauphase von OH BOY* ist es beruhigend, dass die Stiftung Mercator Schweiz den Aufbau der Fachstelle noch 3 Jahre teilfinanziert.
Kontakt:
Projekte und Partner:
- OH BOY* – Fachstelle für geschlechterreflektierte Jungenarbeit
- Genderreflektierende Offene Jugendarbeit
- Stiftung Mercator Schweiz
Literatur und weiterführende Links: