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Über Erziehung sprechen: Elternarbeit in der Schulsozialarbeit
04.06.2026 Elterngespräche werden in der Schulsozialarbeit niederschwellig angeboten und thematisch offen geführt. Das Sprechen über Erziehung nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Das meist informelle Sprechen darüber eröffnet den Eltern die Möglichkeit, ihr Handeln ohne Druck zu reflektieren und Beratung als unterstützendes Angebot kennenzulernen.
Die Zusammenarbeit mit Eltern gehört zum Alltag von Schulsozialarbeitenden. Sie findet in unterschiedlichen Settings statt, das Gespräch ist allerdings das meistgewählte Mittel. Diese Gespräche können sowohl von den Eltern, den Schulsozialarbeitenden oder von Lehrpersonen initiiert werden. Anlass ist meist die Sorge um das Kind, sei es hinsichtlich der Schule oder seines Wohlbefindens in der Familie. Bei diesen Elterngesprächen sind mindestens ein Elternteil sowie die Fachperson der Schulsozialarbeit anwesend, manchmal nimmt auch das Kind, die Lehrpersonen oder eine Leitungsperson der Schule daran teil. Ungeklärt war bis anhin, was in den Gesprächen effektiv verhandelt wird und wie diese stattfinden.
Sprechen als Praxis
Deshalb widmete sich eine Dissertation den Gesprächen zwischen Schulsozialarbeit und Eltern, womit die effektiv stattfindende professionelle Praxis in den Fokus genommen wurde. Es wurde untersucht, wie sich die Fachkräfte und die Eltern in den gegenseitigen Interaktionen zeigen und sie sich darin positionieren. Um diese sozialen Praktiken zu erforschen, eignet sich die ethnomethodologische Konversationsanalyse, die anhand von Gesprächsaufzeichnungen und deren Analysen, soziale Wirklichkeit abzubilden versucht.
Erziehungshandeln als Thema
In den analysierten Gesprächen zwischen Müttern und Schulsozialarbeiterinnen wurde unter anderem immer wieder das Erziehungshandeln thematisiert – insbesondere wie die Mütter mit den Herausforderungen ihres Kindes umgehen. Diese Gesprächssequenzen wurden meist assoziativ geführt und häufig wurde das Erziehungshandeln mit den Müttern mit einer gewissen Beiläufigkeit und damit wenig systematisch besprochen. Die Fachperson regte dabei die Mutter beispielsweise an, über eine bestimmte Situation zu Hause nachzudenken.
Weiter zeigte sich, dass die Schulsozialarbeiterinnen manchmal ihre professionelle Position verliessen und aus ihrer privaten Rolle als Mutter sprachen. Dies erlaubte ihnen, alltäglicher und nahbarer über bestimmte Schwierigkeiten zu sprechen und Verständnis für spezifische Herausforderungen zu zeigen. Weiter wurde sichtbar, wie die Fachkräfte Erziehungssituationen von sich aus aufgriffen und die Mütter in ihrem Handeln bestärkten, wenn diese selbst Zweifel äusserten. Diese Sequenzen verliefen kommunikativ weitgehend mühelos. Hingegen fiel es den Fachpersonen deutlich schwerer, Kritik am Erziehungshandeln der Mütter zu üben.
Beiläufigkeit als Stärke
Erziehung und das elterliche Handeln sind folglich oft bearbeitete Themen in den Gesprächen zwischen Eltern und Schulsozialarbeitenden, doch geschieht diese Bearbeitung nicht in Form einer klassischen Erziehungs- oder Elternberatung. Statt Erziehungsberatung ist es viel eher ein «Sprechen über Erziehung», zumal sich die Mütter nicht mit einem konkreten Anliegen an die Schulsozialarbeit wandten. Die Themen wurden meist nicht lange eingeführt oder die Probleme ausgedehnt analysiert. Es kann festgehalten werden, dass die Fachpersonen den Müttern bei der Themensetzung viel Freiraum lassen. Die offene Herangehensweise erlaubt es, unverfänglich über möglicherweise sehr private und belastende Situationen zu sprechen. Diese Beiläufigkeit bietet den Eltern die Gelegenheit, ihr Handeln ohne Druck zu reflektieren.
Eröffnung einer Möglichkeit
Das Angebot der Schulsozialarbeit bleibt durch diese Praxis des Sprechens für verschiedene Themen zugänglich und niederschwellig. Mütter lernen – genau wie die Kinder – durch die Schulsozialarbeit Beratung als ein mögliches Gefäss kennen, das ihnen und ihrem Familienleben einen Mehrwert bieten kann. Bei einem enger gefassten Angebot würde dieser Aspekt wegfallen. Die Schulsozialarbeit verlöre den einfachen Zugang zum familialen Raum und es bestünde kein Gefäss, in welchem Mütter freiwillig und eigenständig den Austausch suchen können.