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Hitze in Städten und Gemeinden: Warum mobile Bäume boomen

25.06.2026 Wo keine Bäume gepflanzt werden können, schaffen mobile Begrünungen Schatten, Kühlung und neue Aufenthaltsqualität. Erste Erfahrungen aus Schweizer Gemeinden zeigen: Mobile Bäume sind mehr als eine Übergangslösung – sie machen Potenziale und Interessenkonflikte im öffentlichen Raum sichtbar.

Mobile Bäume in Solothurn

Man kennt sie: die grossen, versiegelten Plätze, die es in fast jeder Gemeinde der Schweiz gibt. Beton, Glas und Steine prägen das Bild. An heissen Tagen – wie sie schon im Mai vorkommen können – heizt sich der Raum stark auf, Schatten fehlt und so ist die Aufenthaltsqualität gering. Bäume oder eine Entsiegelung wären willkommen, doch genau hier beginnen die Probleme. Unterirdische Infrastrukturen wie Leitungen oder Tiefgaragen, Anforderungen an die Barrierefreiheit und Vorgaben für Sichtachsen oder Rettungswege machen eine dauerhafte Begrünung fast unmöglich. Zudem sind Bäume langfristig oft teuer und sprengen das Budget vieler Gemeinden.

Mobile Begrünung

Was kann man tun, wenn die Entsieglung keine Option ist, der Wunsch nach Kühlung und Aufenthalt im Schatten mit den zunehmenden Hitzeperioden jedoch immer dringlicher wird? Hier rückt die mobile Stadtbegrünung zunehmend in den Fokus unserer Gemeinden. Grosse, eingetopfte Gehölze mit einer Höhe von fünf bis sieben Metern und ausladenden Kronen können dort eingesetzt werden, wo herkömmliche Baumpflanzungen nicht möglich sind. Sie bieten insbesondere an stark besonnten und versiegelten Standorten wertvollen Schatten und tragen zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

Erste Ergebnisse des von Innosuisse geförderten Projekts Mobile Urban Green in Federführung des BFH-Departements Architektur, Holz und Bau zeigen, dass mobile Bäume nicht nur eine wahrnehmbare Kühlleistung erbringen, sondern auch das subjektive Wohlbefinden im öffentlichen Raum erhöhen. Beobachtungen, Umfragen und Expert*innen-Interviews aus den Gemeinden Wohlen (AG), Reinach (BL) und Solothurn (SO) machen deutlich, dass der Schatten der Bäume intensiv genutzt wird, was erstmal wenig überrascht. Viele der Umfrageteilnehmenden wünschen sich zudem ergänzende Infrastruktur wie unterschiedliche Sitzmöglichkeiten, Brunnen oder weitere Begrünungselemente.

Konsum und Partizipation

Viele Befragte wünschen sich zusätzliche Angebote wie ein Café, einen Imbiss oder eine Pop-up-Bar. Aus Solothurn kam die Idee, den «Märit» zu erweitern. Auch Konzerte, Veranstaltungen und Spielangebote wurden genannt. Das deutet darauf hin, dass öffentliche Räume heute häufig über Konsum und Events belebt werden. Aus Sicht der Sozialen Arbeit bleibt die Frage offen, wie Orte ohne Konsumzwang attraktiv und zugleich möglichst inklusiv gestaltet werden können. Brauchen sie dafür eine gewisse Urbanität und konsumnahe Elemente?

Beim Thema Ausschluss zeigt sich ein weiterer Aspekt: Eine Person vermisste die Parkplätze, an deren Stelle nun die mobilen Bäume und Sitzgelegenheiten stehen. Sie wies darauf hin, dass solche Parkplätze für Menschen wichtig sind, die die Innenstadt mit dem ÖV nur schwer erreichen; ein bekanntes Spannungsfeld mit Konfliktpotenzial in Schweizer Gemeinden.

Die Mitgestaltung im Sozialraum ist ein zentrales Anliegen der sozialraumorientierten Sozialen Arbeit. In der Umfrage stiess das Thema Mitgestaltung jedoch auf begrenztes Interesse. Partizipative und aktivierende Ansätze könnten helfen, die Identifikation mit der begrünten Raumkonstellation zu stärken: zum Beispiel offen nutz- und veränderbare Flächen oder von Fachpersonen begleitete Prozesse für Beiträge aus der Bevölkerung. Dazu gehört auch mehr Information über das Projekt: Mehrere Befragte wünschten sich Infotafeln, die nicht nur das Vorhaben erklären, sondern auch Zusammenhänge zum Stadtklima vermitteln. Vielen ist nicht bewusst, dass Entsiegelung nicht überall umsetzbar ist.

Reallabor und öffentlicher Diskurs

Bemerkenswert ist, wie viele Menschen sich dauerhaft gepflanzte Bäume wünschen und wie häufig die räumlichen oder technischen Gegebenheiten eine Umsetzung aus Sicht der Gemeinden erschweren. Mobile Bäume können dieses Spannungsfeld nicht auflösen, machen es jedoch sichtbar. Genau darin liegt ihre Stärke. Mobile Begrünungen erhöhen nicht nur kurzfristig die Aufenthaltsqualität, sondern fungieren als Reallabore für Stadtentwicklung. Sie helfen dabei, Nutzungsmuster und Bedürfnisse sichtbar zu machen, das Potenzial eines Standorts zu testen und den Weg für langfristige Massnahmen wie Entsiegelungen und Baumpflanzungen zu ebnen.

Weil die Pflanzung und längerfristige Pflege eines festen Baumes mit erheblichem planerischem und finanziellem Aufwand verbunden sind, sind solche Erprobungsphasen sinnvoll, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Zugleich können mobile Bäume Diskussionen über die Zukunft der stark versiegelten öffentlichen Räume anstossen. Sie sind daher weniger eine endgültige Lösung als vielmehr ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zu klimaangepassten, hitzeresilienten und lebendigen Städten.

Beitrag der Sozialen Arbeit

Auf den ersten Blick scheint mobile Stadtbegrünung ein technisches Thema der Landschafts–architektur zu sein. Da das Projekt den öffentlichen Raum als Sozialraum ernst nimmt, ist es auch für die Soziale Arbeit hoch spannend. Mobile Bäume verändern nicht nur die Temperatur und spenden Schatten, sondern beeinflussen, wie Menschen sich Orte aneignen: ob sie bleiben, sich setzen, gegenseitig ins Gespräch kommen. Fragen nach Aufenthaltsqualität, Zugänglichkeit, Ausschlussmechanismen oder unerwünschten Aneignungen sind relevante Themen der Sozialen Arbeit.

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