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Zusammenarbeit von Gesundheits- und Sozialwesen: Wo sind die Hürden?

13.05.2025 Studien und Pilotprojekte zeigen es: Die Fachpersonen im Gesundheits- und Sozialwesen würden gerne enger zusammenarbeiten. Doch dem stehen Hindernisse, insbesondere struktureller Art, im Weg. Entsprechend bräuchte es jetzt die Initiative von Gemeinden und Kantonen.

  • Dr. René Rüegg
Foto: istock Valerii Evlakhov

Soziale und gesundheitliche Probleme beeinflussen sich gegenseitig und können sich im Verlauf des Lebens verschlimmern. Damit sozialgesundheitliche Abwärtsspiralen frühzeitig unterbrochen werden, bräuchte es ein engeres und effizienteres Zusammenspiel zwischen dem Gesundheits- und Sozialwesen. Beide Seiten dürften dafür grosses Interesse haben: In der Sozialhilfe haben beispielsweise 45 Prozent der Klient*innen eine chronische Erkrankung, das sind doppelt so viele wie in der Restbevölkerung. Und in hausärztlichen Sprechstunden tauchen soziale Anliegen wöchentlich oder sogar täglich auf. Es erstaunt daher nicht, dass sich viele Hausärzt*innen einen besseren Zugang und eine bessere Finanzierung sozialer Angebote wünschen.Die ungenügende Vernetzung kann zu Absurditäten und Kostensteigerung führen, wie Andrea Herger in ihrer Masterarbeit aufzeigt, für die sie Hausärzt*innen befragt hat. Einer der Befragten schilderte ihr beispielsweise, wie er aus blosser Ohnmacht für eine Patientin die Kitakosten übernimmt. Ein weiterer Hausarzt sagte, dass er wiederholt Patient*innen «mit vorwiegend sozialer Indikation in die stationäre Abteilung der geriatrischen Klinik einweist, damit sich jemand um die sozialen Problemlagen kümmert.» Aus rein medizinischer Sicht seien diese Einweisungen eigentlich nicht nötig.

Aktuelle Studie der Universität Basel und der BFH

Wie können die beiden Systeme näher zueinander finden? Eine neue Studie der Universität Basel mit Beteiligung der BFH hat 143 Hausärzt*innen und 41 Sozialarbeitende aus gesundheitsbezogenen Feldern befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Bedarf nach einer engeren Zusammenarbeit anhält: Rund zwei Drittel der befragten Hausärzt*innen wünschen sich mehr Kontakt mit Sozialarbeitenden. Drei Viertel der Sozialarbeitenden wollen mehr Kontakt mit Personen der medizinischen Grundversorgung.Bei der Frage, was die engere Zusammenarbeit behindert, waren sich die befragten Hausärzt*innen und Sozialarbeitenden weitgehend einig. Es sind weder schlechte Erfahrungen mit der jeweiligen anderen Berufsgruppe, noch ist es ein mangelndes, gegenseitiges Vertrauen. Vielmehr sind die häufigsten Hürden:

  • Schwierigkeiten im Zugang zur anderen Fachkraft,
  • fehlendes Wissen über die Möglichkeiten der anderen Berufsgruppe,
  • fehlende Finanzierung und
  • drohende zusätzliche Ausgaben.

Die Erkenntnisse zu bestehenden Hürden sind grundsätzlich positiv zu deuten, denn sie zeigen, dass vor allem strukturelle Hindernisse abgebaut werden müssten. Der Wille zur Kooperation, das gegenseitige Vertrauen und erste positive Erfahrungen sind vorhanden. Die Erfahrungen aus hiesigen Pilotprojekten von Sozialer Arbeit in Arztpraxen bestätigen dieses Ergebnis: Sobald die Finanzierung gesichert, die Kompetenzen und die Angebotspaletten definiert und die Prozesse und Kommunikationswege gemeinsam geklärt sind, entsteht eine gewinnbringende Zusammenarbeit, die in erster Linie dem Wohl der Patient*innen dient.

Erste Schritte werden gemacht

Auch wenn die Vernetzung zwischen Gesundheits- und Sozialwesen nachweislich die Gesundheit der Bevölkerung verbessert, ist die nachhaltige Finanzierung nach wie vor ungeklärt. Viele Projekte stehen mit befristeten Finanzierungen durch Stiftungen auf wackeligen Füssen. Eine Vergütung der Sozialberatung über die Krankenversicherungen dürfte wegen der Gefahr einer Mengenausweitung wenig realistisch sein. Um die Lücken in der Zusammenarbeit schliessen zu können, stehen jetzt insbesondere die Kantone und Gemeinden in der Pflicht, alternative Modelle und Strategien vorzuschlagen.Die Stadt Zürich macht hier zum Beispiel einen ersten Schritt und finanziert in vier Ambulatorien der Stadtspitäler sogenannte Link Workers, die beratend arbeiten und zwischen Gesundheits- und Sozialwesen vermitteln können. Auch der Kanton Bern fördert mit seiner «Teilstrategie Integrierte Versorgung» die Vernetzung beider Systeme. Diese Beispiele zeigen, dass die Kantone, Gemeinden und Städten durchaus Gestaltungsspielraum haben, um die strukturellen Hürden abzubauen und die – durchaus motivierten – Fachkräfte dabei unterstützen können, näher zusammenzurücken. 


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