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Ankommen in Bern: Till Korb im Austauschsemester an der BFH Soziale Arbeit
19.10.2026 Till Korb kommt aus Saarbrücken und hat im Frühlingssemester 2026 ein Austauschsemester an der BFH Soziale Arbeit gemacht. Unser Student Ambassador Damian Bollack hat mit ihm über seine Zeit in Bern gesprochen: über den Unterricht, Schweizerdeutsch, Aareschwimmen und darüber, wie es ist, in einem neuen Land anzukommen.
Das Wichtigste in Kürze
- Till Korb von der HTW Saar in Saarbrücken verbrachte das Frühlingssemester 2026 als Austauschstudent an der BFH Soziale Arbeit.
- Praxisnahe Module, kleinere Gruppen und Fachpersonen aus der Praxis haben ihn überzeugt.
- Die grössten Herausforderungen waren das Schweizerdeutsch und das knappe Budget.
- Ab August bleibt er für ein Praktikum in einer Wohngruppe in Bern.
Der Wunsch, etwas Neues zu erleben
Eigentlich hatte Till ein Auslandssemester gar nicht auf dem Plan. Als seine Hochschule dann die Möglichkeit für Auslandssemester anbot, dachte er sich, er könnte auch einmal etwas anderes ausprobieren. Viele der Partnerländer wären auf Englisch gewesen, das hätte er sich auch zugetraut, sein Interesse galt jedoch der Schweiz.
Ich habe noch nicht so viele Berge gesehen. Ich dachte, komm, das wollte ich mal erleben.
Die Schweiz reizte ihn aus mehreren Gründen: die Sprache, die Berge, die Städte, eine andere Kultur und ein Hochschulsystem, das er noch nicht kannte. Ganz ohne Zweifel war der Entscheid jedoch nicht. Till war anfangs nur zweite Wahl und rückte nach, weil andere abgesagt hatten. Er fragte sich deshalb, ob er den Schritt wirklich machen soll. Ein Auslandssemester heisst Organisation, Umstellung und raus aus dem gewohnten Umfeld. Trotzdem wagte er den Schritt und reiste im Januar 2026 nach Bern.
Zur Person
Till Korb ist 29 Jahre alt und studiert an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar) in Saarbrücken Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit. Im Frühlingssemester 2026 war er im vierten Semester als Austauschstudent an der Berner Fachhochschule BFH und besuchte dort unter anderem die Vertiefungsmodule «Biografische Herausforderungen» und «Erziehung und Sozialisation» sowie ein Spezialmodul zu Trauer und Humor. Ab August absolviert er ein Praktikum in einer Wohngruppe für psychisch beeinträchtigte Menschen in Bern.
Ein intensiver Start in Bern
Die ersten Tage in Bern waren für Till stressig, wobei das nicht an Bern lag, sondern an seiner Heimathochschule. Das Frühlingssemester an der BFH begann genau dann, als in Saarbrücken die Klausurenphase lief. Statt die Stadt zu entdecken, sass er also erst einmal über den Unterlagen aus Deutschland.
Trotzdem war sein erster Eindruck von der BFH sehr gut. Den Aufbau und die Module fand er besser ansprechend. Infos zu Unterrichtszeiten, Räumen und Anwesenheit waren leicht zu finden, und bei bürokratischen Fragen half ihm Raymund Gerig vom International Office. Bern selbst gefiel ihm sofort. Für ihn ist es die schönste Stadt, die er bisher gesehen hat. Nach der stressigen Anfangsphase fühlte er sich hier zunehmend wohl.
Unterstützung beim Ankommen
Wer für ein Semester in ein anderes Land zieht, muss sich jedoch nicht nur an eine neue Hochschule gewöhnen. Plötzlich sind ganz alltägliche Fragen wichtig. Wie finde ich eine Unterkunft? Wie läuft das mit dem Bankkonto? Wo kauft man günstig ein? Welche Orte in Bern sollte man kennen? Und wie findet man Anschluss, wenn man noch niemanden kennt?
Genau hier setzt die Rolle des Student Ambassador an, die an der BFH Soziale Arbeit auf das Frühlingssemester 2026 neu geschaffen wurde. Dafür ist jeweils ein*e Bachelorstudent*in Soziale Arbeit zuständig, die sich um die Austauschstudierenden kümmert. Schon vor dem Aufenthalt gibt es einfache Infos zu Unterkunft, Studium und Leben in Bern, und während des Semesters ist man als Ansprechperson da. Das ergänzt die Unterstützung des International Office um einen informellen Austausch auf Augenhöhe. Till halfen vor allem die praktischen Tipps, die nicht in den offiziellen Unterlagen stehen, für Austauschstudierende aber viel ausmachen.
Die Informations-E-Mail des Student Ambassador fand ich sehr gut. Da waren Infos drin, die für Neulinge in der Schweiz gut zu wissen sind.
Dazu kommt das Soziale: nachfragen, ob alles klappt, sich treffen, schöne Ecken in Bern zeigen. Gerade in den ersten Wochen nimmt das viel Unsicherheit raus. Die Rolle des Student Ambassador dient somit als Baustein, damit der Einstieg an der BFH einfacher und weniger hochschwellig wird und die Austauschstudierenden die bestmögliche Zeit in Bern haben.
Praxisnah lernen an der BFH
In Saarbrücken kannte Till vor allem theoretische Grundlagen: Wo kommt die Soziale Arbeit her, wie ist sie entstanden, was ist sie als Profession? An der BFH erlebte er das anders. Er besuchte die Module «Biografische Herausforderungen und Lebensführung», «Erziehung und Sozialisation» und «Handlungsfelder 2». Dabei fiel ihm der starke Praxisbezug auf. Immer wieder kamen Menschen aus der Praxis und erzählten von ihren Erfahrungen.
Hier wurden einem einfach mehr Tools beigebracht, die für das spätere Berufsleben helfen können.
Auch die kleineren Gruppen gefielen ihm. Es fühlte sich persönlicher und mehr nach Schule an, man geht weniger in der Masse unter und wird eher zum Mitmachen angeregt. Für Till machte das den Unterricht verbindlicher und übersichtlicher.
Besonders geblieben sind ihm das Modul «Erziehung und Sozialisation» und ein Spezialmodul zu Trauer und Humor in der Sozialen Arbeit. Beide Themen interessierten ihn auch privat und gaben ihm neue fachliche Zugänge.
Zwischen Schweizerdeutsch, Aare und Bergen
Im Alltag war am Anfang das Schweizerdeutsch eine Hürde. Die verschiedenen Dialekte waren für Till schwerer zu verstehen, als er gedacht hatte. Er wollte sich aber darauf einlassen und bat andere Studierende, einfach weiter Dialekt mit ihm zu sprechen. Nach etwa einem Monat verstand er schon das meiste.
Bei den letzten vier Bewerbungsgesprächen haben sie Schweizerdeutsch geredet und ich Hochdeutsch, aber ich habe alles verstanden. Das war schon cool.
Finanziell war das Semester durch das hohe Preisniveau in der Schweiz eine Herausforderung. Erasmus Gelder halfen zwar ein wenig, aber trotzdem musste er sich anpassen. Restaurantbesuche und Partys gab es deshalb selten, dafür entdeckte er Dinge, die wenig kosten: Aareschwimmen, Spaziergänge und Bergwanderungen, die er selbst geplant hat. Gerade das Wandern war neu für ihn und begeisterte ihn. Das Semester war so nicht nur ein Studienaufenthalt, sondern auch eine Chance, ein neues Hobby zu finden.
Anschluss finden braucht Zeit
Soziale Kontakte entstanden nicht von heute auf morgen. Er sieht das nicht nur als typisch schweizerisch, sondern auch als normal im Unialltag: Man trifft sich im Studium, spricht über Unithemen, und privat wird es selten. In Deutschland sei das nicht anders. Nach etwa zwei Monaten im Studium änderte sich das jedoch. Andere fragten ihn, ob er in der Pause mit ihnen mitkommt, und Gespräche wurden vertrauter.
Angebote wie ESN helfen beim Einstieg, weil man dort einen Buddy bekommt, der einem die Stadt zeigt, und andere Austauschstudierende kennenlernt. Till rät aber, sich nicht nur in diesem Kreis zu bewegen. Man solle auch versuchen, sich mit Einheimischen zu connecten, das gehöre für ihn zum Auslandssemester dazu.
Persönlich gewachsen
Rückblickend war die Zeit in Bern für Till sehr prägend. Allein in einem neuen Land, ohne Familie und Freundeskreis in der Nähe, musste er alles selbst regeln: Bürokratie, Papiere, Kultur, Sprache und Fächer. Dass das so gut geklappt hat, freut ihn. Es fiel ihm leicht, sich hier anzupassen.
Ich war lange nicht mehr so glücklich. Einfach, weil es neue Erfahrungen im Leben gibt und es eine geile Stadt ist. Ich freue mich, hier zu sein.
Auch fachlich nahm er viel mit: die praxisnahen Module, die kleineren Gruppen und die andere Form von Leistungsnachweisen. Das erweiterte seinen Blick auf die Soziale Arbeit, brachte ihm neue Werkzeuge und zeigte ihm, wie unterschiedlich Hochschulen soziale Berufe vermitteln können.
Vom Austauschsemester ins Praktikum
Für Till ist nach dem Semester noch nicht Schluss mit der Schweiz. Seit August befindet er sich für ein Praktikum weiterhin in Bern, in einer Wohngruppe für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Es ist sein erstes Praktikum und seine erste Erfahrung im sozialen Bereich, auch wenn er schon Nebenjobs in dem Feld hatte. Die Idee entstand während des Austauschs: Als klar war, dass man das Praktikumssemester ebenfalls in Bern machen kann, wollte er die Chance nutzen. Nach rund 20 Bewerbungen kam die Zusage.
Anderen Studierenden aus dem Ausland rät er, sich früh zu informieren, was in der Schweiz verlangt wird. Till wusste zum Beispiel nicht, dass man ein Motivationsschreiben braucht. Die ersten sechs Absagen führt er darauf zurück. Dass man aus dem Ausland kommt, sei kein Problem. Wer gut Deutsch kann, findet einen Platz, bei manchen Stellen ist auch Französisch gefragt.
Ein Auslandssemester, das bleibt
Das Austauschsemester war für Till Lernzeit, persönliche Entwicklung und Ankommen in einem neuen Umfeld zugleich. Die BFH hat er als praxisnah, unterstützend und offen erlebt, und Bern ist für ihn zu einer Stadt geworden, in der er sich zunehmend zu Hause fühlt. «Ich habe mich hier immer herzlich willkommen gefühlt», sagt er und bedankt sich dafür, dass am Anfang viele Hochdeutsch mit ihm gesprochen haben. Die neue Rolle des Student Ambassador zeigt, was studentische Begleitung bringen kann: kein Ersatz für die offizielle Unterstützung, aber eine Brücke in den Alltag, ins Studium und zu anderen Menschen.
Seine Tipps an zukünftige Austauschstudierende: Lasst euch von Berichten über die Schweiz nicht abschrecken, aber plant finanziell. Till empfiehlt Erspartes oder ein Stipendium. Mit rund 5500 Euro kommt man seiner Einschätzung nach gut durch die vier Monate. Ein Nebenjob von einem Tag pro Woche lohnt sich ebenfalls, am besten früh. Und im Alltag helfen Aldi und Lidl, von Restaurants rät er eher ab.
Traut euch und macht einfach mal Dinge.