Perinatale psychiatrische Hilfe zu Hause
Es wird ein integriertes care@home-Versorgungsmodell entwickelt, das betroffene Frauen im häuslichen Umfeld unterstützt und eine kontinuierliche, interprofessionelle Versorgung ermöglicht.
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Gesundheit
- Institut(e) Pflege
- Forschungseinheit(en) Innovationsfeld Psychische Gesundheit und Psychiatrische Versorgung
- Laufzeit (geplant) 01.04.2026 - 30.06.2028
- Projektleitung Dr. Anna Hegedüs
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Projektmitarbeitende
Nora Christa Ambord
Melina Hasler - Schlüsselwörter Psychische Gesundheit, Psychiatrische Pflege, Geburtshilfe, Integrierte Versorgung, care@home, home treatment
Ausgangslage
Perinatale psychische Erkrankungen treten während der Schwangerschaft oder im ersten Jahr nach der Geburt auf und betreffen jährlich rund 13’000 Frauen in der Schweiz. Die Folgen sind gravierend: Unbehandelte Erkrankungen beeinträchtigen die Eltern-Kind-Bindung nachhaltig; In schweren Fällen ist eine stationäre psychiatrische Behandlung erforderlich, die meist eine Trennung von Mutter und Kind bedeutet. Suizid ist ausserdem die häufigste Todesursache von Frauen im ersten Jahr nach einer Geburt. Rechtzeitige Interventionen sind entscheidend, um negative Folgen zu minimieren. Leitlinien empfehlen, Mutter-Kind-Trennungen zu vermeiden, wenn eine Behandlung notwendig ist, und befürworten gezielte Massnahmen zur Stärkung der Mutter-Kind-Bindung. Die begrenzte Verfügbarkeit von psychiatrischen Kliniken mit Mutter-Kind-Diensten schafft Zugangshindernisse wie lange Wartezeiten und fehlende Kinderbetreuung. Fachpersonen aus Geburtshilfe und Psychiatrie arbeiten häufig ohne strukturierten Austausch. Diese fehlende Integration erschwert eine bedarfsgerechte, kontinuierliche und interprofessionelle Behandlung. Spezialisierte ambulante Angebote sind selten, und die Versorgung ist stark fragmentiert. Das Projekt ETAP-PP zielt auf die Entwicklung, Umsetzung und Machbarkeitsprüfung eines interprofessionellen, integrierten care@home-Versorgungsmodells, das Frauen mit akuten psychischen Erkrankungen in der Perinatalphase im häuslichen Umfeld unterstützt.
Vorgehen
Die Studie umfasst drei aufeinander aufbauende Teilstudien und kombiniert qualitative sowie partizipative Forschungsmethoden mit einem iterativen Vorgehen. 1. Analyse von Evidenz und Bedarfen: In qualitativen Interviews mit betroffenen Frauen, Angehörigen und Fachpersonen werden Versorgungsbedarfe und Erfahrungen erhoben. Diese Ergebnisse bilden die konzeptionelle Grundlage für die Modellentwicklung und werden im Rahmen von studentischen Arbeiten bearbeitet. 2. Partizipative Modellentwicklung: Unter Anwendung von Design-Thinking-Methoden werden in mehreren Co-Design-Workshops zentrale Modellkomponenten, Rollenverteilungen und Versorgungspfade gemeinsam mit betroffenen Frauen, Angehörigen und Fachpersonen erarbeitet. Parallel dazu wird eine digitale Anwendung als integraler Bestandteil des Modells entwickelt. Ergänzend wird eine Programmtheorie erarbeitet, die Wirkmechanismen und Outcomes beschreibt. 3. Umsetzung und Machbarkeitsprüfung: Das Modell wird in kleinerem Rahmen in der Region Bern umgesetzt. Eine begleitende Machbarkeitsstudie erhebt mittels Interviews und Fokusgruppen Erfahrungen, Akzeptanz und Umsetzbarkeit aus Sicht von Fachpersonen, Betroffenen und Angehörigen. Ergänzend werden Nutzungsdaten dokumentiert und ausgewertet.
Ausblick
Das Projekt resultiert in einem bedarfsgerechten, umsetzbaren und von den Akteur*innen akzeptierten, ambulanten Versorgungsmodell inklusive digitaler Anwendung. Es fördert die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen geburtshilflichen und psychiatrischen Disziplinen, wobei Pflegefachpersonen und Hebammen – auch in Advanced Practice Rollen – eine Schlüsselrolle einnehmen. Langfristig soll das Modell auf andere Regionen übertragbar sein und als Grundlage für eine kontrollierte Evaluation dienen.