Fachtagung Netzanschluss 2026

08.06.2026 Welche effizienten Lösungen für das Leistungsmanagement über mehrere Gebäude hinweg sind praxistauglich? Die diesjährige Fachtagung Netzanschluss am BFH-Labor für Photovoltaiksysteme gab einen vielschichtigen Einblick in die aktuellen Herausforderungen rund um die Themen LEG und ZEV – mit einigen erbaulichen Lösungsvorschlägen.

Das Wichtigste in Kürze

  • An der diesjährigen Fachtagung Netzanschluss beleuchteten Expert*innen aus Forschung und Praxis die aktuellen Herausforderungen und kreativen Lösungen.

  • Zum Schluss zeigte eine Live-Demonstration das Zusammenspiel von Prosumern und flexiblen Verbraucher*innen.

  • Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit Swissolar und Swisspower statt.

LEG: Chance und Herausforderung

Die Fachtagung Netzanschluss fand heuer zum fünften Mal am Labor für Photovoltaiksysteme statt und stiess auch in diesem Jahr auf reges Interesse: Über 230 Unternehmen, Wissenschaftler*innen und Studierende aus der ganzen Schweiz verfolgten die inspirierenden Beiträge aus der Praxis und der angewandten Forschung.
Lokale Energiegemeinschaften, kurz LEG, sind oft dem Vorwurf ausgesetzt, nur der Abrechnung und Umverteilung zu dienen. Doch wie können diese so betrieben werden, dass sie auch die Stromnetze entlasten? Christof Bucher, Leiter vom Labor für Photovoltaiksysteme, macht im Auftakt auf den Umstand aufmerksam, dass es heute weder gefördert noch gefordert würde und deshalb auch noch keine Standardlösungen gibt. Denn zwar können mit LEGs Netzkosten gespart werden, jedoch nicht automatisch. Dass die Koordination der rund 300'000 kleinen privaten Anlagen in der Schweiz eine Herausforderung ist, stellt auch Thomas Reinthaler von Swissgrid fest. Er zeigt in seinem Referat sechs Handlungsfelder mit notwendigen Massnahmen auf, um Leistungsspitzen zu verhindern. Philipp Huber von Helbling Technik stellte in seinem Input openADR vor. In diesem Ansatz der proaktiven und automatisierten Kommunikation kann es zu Win-Win-Win-Situationen kommen, wenn die Massnahmen auf Freiwilligkeit beruhen – ganz automatisiert. Zurzeit fehle es an Transparenz zwischen Netzbetreibern und Prosumern, Kollaboration und Kundenfreundlichkeit.

Was sind LEG?

In Lokalen Energiegemeinschaften (LEG) können sich Solarstrom-Produzent*innen und Endverbraucher*innen innerhalb derselben Gemeinde zusammenschliessen und dadurch lokal erzeugten Strom direkt vor Ort nutzen. Es handelt sich um eine kleine Marktöffnung gegenüber dem Monopol der Netzbetreiber – zudem kann so Geld gespart werden, da nicht mehr die gesamten Netzgebühren anfallen.

Cloud-Lösungen, lokale Regelungen und automatische Anpassungen

Der Verein SmartGridready, der sich für eine standardisierte und simple Kommunikation zwischen Produkten, Gebäuden und dem Verteilnetz einsetzt, war durch Maike Schubert vertreten. Da das lokale Management aufwendiger werden könnte, plädiert der Verein für eine Harmonisierung, damit es «gemeinsam vorwärts gehen kann». Thomas Grunder von Smart Me schlägt in seinem Vortrag dafür Cloud-Lösungen mit Echtzeitregelung vor, die er dem Publikum direkt in der Plattform vorführte. Dennoch sollte der Fokus auf einer einfachen Bedienung liegen, fordert indes Manuel Schär von Schär & Partner Engineering. In ihrem Ansatz verfolgen sie eine lokale Regelung, bevor es zur übergeordneten Koordination kommt. Automatische Anpassungen zur Effizienz können dabei durch intelligente Lösungen umgesetzt werden: Beispielsweise sollten Büroräume, die nicht gebucht sind, dank Standby-Lösungen weniger Strom verbrauchen oder auch Latentspeicher, wie die Gebäudemasse, in die Flexibilitätsnutzung integriert werden. Die Präsentation von Dino Zavatta und Paul Hugentober zeigt, wie stark wachsende und schlecht prognostizierbare PV-Erzeugung zu negativen Preisen und hohen Ausgleichsenergiekosten führt: Über das Netz verteilte, steuerbarePV-Anlagen seien notwendig. Die konkrete Lösung von Energie Thun, Novagrid und meonet, bei der PV-Anlagen über eine Plattform in Echtzeit gesteuert werden, um Abweichungen zu reduzieren und Kosten zu sparen, kann sogar zusätzliche Erträge erzielen.

Gebäudeübergreifendes Lastmanagement als sinnvolle Lösung

Die Vortragsrunde wurde mit einer Live-Demonstration vor Ort abgeschlossen. David Joss vom Labor für Photovoltaiksysteme präsentierte, wie ein gebäudeübergreifendes Leistungs-und Energiemanagementsystem (LEMS) mit Smart Metern und einer VNB-Plattform die Produktion und den Verbrauch im Quartier koordiniert, um Netzüberlastungen zu vermeiden und lokalen Solarstrom optimal zu nutzen. Sie verdeutlicht, dass solche Möglichkeiten bereits bestehen, aber für den breiten Einsatz noch standardisierte Schnittstellen, harmonisierte Systeme und flächendeckende Plattformen erforderlich sind. Wo sich alle einig sind, ist, dass eine effiziente Leistungsregulation im Zentrum des Interesses stehen sollte, damit die Energiewende erfolgreich ist. Auch die Schlussumfrage bekräftigte das: 93 % der Teilnehmenden stimmen der Aussage zu, dass ein gebäudeübergreifendes Lastmanagement den Bedarf an Netzausbau reduziert. Dafür brauche es in der LEG mehr Anreize – damit könnte dem Vorwurf der Abrechnung etwas entgegengesetzt werden. Die nächste Fachtagung Netzanschluss findet am Dienstag, 01. Juni 2027 in Burgdorf statt.

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