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Alter(n) aktiv gestalten – zwischen Selbstbestimmung und Unterstützung
06.01.2026 Alter ist keine einheitliche Lebensphase, sondern so vielfältig wie die Menschen selbst. Im Interview erläutert Sigrid Haunberger, Studienleiterin des CAS «Gerontologie – Alter(n) mitgestalten», wie ältere Menschen ihre nachberufliche Lebensphase individuell gestalten, welche Rolle Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich dabei spielen und in welchen Berufen gerontologische Kompetenzen an Bedeutung gewinnen.
Das Wichtigste in Kürze
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Alter ist gestaltbar und verläuft je nach Ressourcen, Gesundheit und persönlichen Zielen sehr unterschiedlich.
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Fachpersonen können diese Lebensgestaltung durch Beratung, Gesundheitsförderung und soziale Angebote unterstützen.
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Der CAS Gerontologie – Alter(n) mitgestalten eröffnet breite berufliche Perspektiven, da die vermittelten Kompetenzen in vielen Feldern gefragt sind.
Das Alter ist eine dynamische Lebensphase. Dies wird bereits im Titel des CAS «Gerontologie - Alter(n) mitgestalten» klar. Wie gestalten ältere Menschen ihr Leben?
Sigrid Haunberger: Das Alter ist keine einheitliche, sondern eine individuell sehr unterschiedliche Lebensphase. Wie ältere Menschen ihr Leben gestalten, hängt wesentlich davon ab, in welcher Phase des Alters sie sich befinden und über welche persönlichen, sozialen und materiellen Ressourcen sie verfügen. In der nachberuflichen Phase, die mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnt, begegne ich zum Beispiel älteren Menschen, die weiterarbeiten, sich freiwillig engagieren oder ihr Engagement intensivieren. Andere ziehen sich bewusst von Verpflichtungen zurück, gehen auf Reisen und holen nach, wofür im Erwerbsleben zu wenig Raum war. Oder sie richten ihren Alltag stärker auf Familie und soziale Beziehungen aus. Wo es älteren Menschen nicht gelingt, diese Phase selbstbestimmt zu gestalten, kann die Soziale Arbeit unterstützend wirken und Zugänge zu Teilhabe, Sinn und Autonomie eröffnen.
Und wie können Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich diese Lebensgestaltung unterstützen?
Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich verfügen auf unterschiedlichen Ebenen über vielfältige Möglichkeiten, die Lebensgestaltung älterer Menschen zu unterstützen – etwa durch Gesundheitsförderung, Beratung oder Angebote zur sozialen Teilhabe. Grundlegend ist dabei, dass ältere Menschen die bestehenden Angebote kennen und diese auch nutzen wollen. Hilfe scheitert nicht selten daran, dass unklar ist, wie die Unterstützung konkret aussehen kann. Dies zeigt sich unter anderem im Nicht-Bezug von Ergänzungsleistungen zur AHV. Besonders wichtig ist es daher, auch das Umfeld älterer Menschen einzubeziehen, etwa Angehörige oder andere nahestehende Personen. Je nach individueller Situation verlaufen Alterungsprozesse unauffällig oder werden durch altersbedingte Erkrankungen beeinflusst. Ebenfalls wichtig ist es, bestehende Altersbilder kritisch zu hinterfragen. Dazu können nicht nur Fachpersonen, sondern jede einzelne Person einen aktiven Beitrag leisten.
Wo es älteren Menschen nicht gelingt, diese Phase selbstbestimmt zu gestalten, kann die Soziale Arbeit unterstützend wirken und Zugänge zu Teilhabe, Sinn und Autonomie eröffnen.
CAS Gerontologie – Alter(n) mitgestalten
Der Studiengang eröffnet einen vielschichtigen Blick auf das Alter(n) – wissenschaftlich fundiert, praxisnah und gesellschaftlich relevant. Die Teilnehmenden erwerben Grundlagen zu Alterstheorien, Gesundheitsförderung und sozialpolitischen Bedingungen des Alterns. Sie reflektieren Altersbilder, begegnen Herausforderungen wie Pflege oder psychischen Erkrankungen im Alter und erkunden Ressourcen wie Spiritualität und Erwerbstätigkeit im höheren Lebensalter. Ziel ist es, das Altern als gestaltbare Lebensphase zu verstehen und Fachwissen für den Umgang mit dem demografischen Wandel zu entwickeln.
Welche beruflichen Möglichkeiten haben die Teilnehmenden des CAS «Gerontologie - Alter(n) mitgestalten» nach dem Abschluss der Weiterbildung?
Alter(n) ist ein zukunftsweisendes Querschnittsthema, das in zahlreichen Berufsfeldern an Bedeutung gewinnt. Die im CAS «Gerontologie – Alter(n) mitgestalten» erworbenen Kompetenzen sind z.B. auf kantonaler und kommunaler Ebene relevant – etwa bei der Erarbeitung von Altersleitbildern. Sie spielen aber auch in der Raum- und Quartierplanung eine Rolle, wo der Fokus auf altersfreundliche Lebensräume liegt, wie natürlich im Sozial- und Gesundheitsbereich. Auch im Personalmanagement gewinnen gerontologische Kompetenzen an Bedeutung. Überall dort, wo Fachpersonen mit Fragen des Alter(n)s in Berührung kommen, eröffnet der CAS ihnen neue fachliche und konzeptionelle Handlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus stärkt die Weiterbildung die Fähigkeit, das eigene Alter(n) sowie das Alter(n) von Angehörigen oder nahestehenden Personen bewusst und kompetent mitzugestalten.