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Modul Erlebnispädagogik – aussergewöhnliche Erfahrungen für Studierende
25.05.2026 Was bleibt nach dem Studium in Erinnerung? Für viele Studierende im Bachelor Soziale Arbeit sind es die Erfahrungen, die sie in einem Spezialmodul sammeln. Sehr beliebt war die «Intensivwoche Erlebnispädagogik». Lesen Sie, was Studierende im Modul erlebt haben und wie es nachwirkt.
Das Wichtigste in Kürze
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Studierende der Sozialen Arbeit können im Verlauf ihres Studiums aus einer Vielzahl von Spezialmodulen auswählen.
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Das Modul «Intensivwoche Erlebnispädagogik» ermöglicht es den Studierenden zum Beispiel draussen ganz spezifische Erfahrungen zu sammeln.
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Ein wichtiger Bestandteil der Kompetenzentwicklung ist, dass die Studierenden sich selbst in neuen Situationen erfahren und ihre Komfortzone verlassen.
«Besonders gern denke ich an unsere Kanu-Odyssee zurück. Wetterbedingt nahm sie eine unerwartete Wendung. Schlussendlich landeten wir im Transportbus eines Weinhändlers, der uns von der Petersinsel ‹evakuiert› hat», berichtet Lena Rudolf, eine Studentin, die kurz vor ihrem Abschluss steht, rückblickend.
Das Blockmodul «Intensivwoche Erlebnispädagogik» fand im September 2025 statt und umfasste unter anderem eine Kanu- und Trekkingtour. Teilgenommen haben 24 Studierende. An einem Vorbereitungstreffen und am ersten Modultag wurden die Studierenden theoretisch und methodisch in die Erlebnispädagogik eingeführt.
Beliebtes Lernformat
Erlebnispädagogik ist ein handlungsorientierter Bildungsansatz. Lernen entsteht durch konkrete Erfahrungen, gemeinsame Reflexion, Selbstorganisation und Gruppenprozesse. Anders als bei reinen Freizeit- oder Outdoor-Angeboten steht nicht nur das Erlebnis im Fokus, sondern auch der pädagogische Lernprozess selbst ist wichtig. Zum Modul gehört deshalb auch, dass die Studierenden das Gelernte gemeinsam mit den Erlebnispädagogen einordnen und reflektieren.
In einer zunehmend digital geprägten Alltagswelt sind Gelegenheiten für unmittelbare Erfahrungen seltener geworden. Erlebnispädagogische Angebote, die körperliche Wahrnehmung, Naturkontakte und persönliche Begegnungen leisten deshalb einen wichtigen Beitrag, sowohl für die Studierenden als auch für die Adressat*innen der Sozialen Arbeit.
«Das Lernen durch Erleben unterscheidet sich für mich deutlich von anderen Lernformen im Studium. Es wirkt ganzheitlicher und nicht nur auf der kognitiven Ebene, weil es bei den Emotionen und dem Körperempfinden ansetzt. Inhalte werden im gemeinsamen Handeln erfahrbar gemacht. Mir bleiben die Lernerfahrungen dadurch nachhaltiger präsent. Insgesamt war es für mich ein sehr bereicherndes Modul», sagt Teilnehmerin Iris Berghuis.
Das Lernen durch Erleben unterscheidet sich für mich deutlich von anderen Lernformen im Studium.
Vier Tage im Freien
Zurück zur «Kanu-Odyssee»: Herzstück des Moduls war das viertägige Camp und die Expedition am Bielersee. Die Studierenden planten bereits im Voraus weitgehend selbstorganisiert Verpflegung und Organisation für das Camp auf dem Seemätteli in Erlach. Begleitet wurde die Intensivwoche von zwei Erlebnispädagogen, die sich jedoch bewusst zurückhielten. Die Teilnehmenden waren aufgefordert, gemeinsam das Zusammenleben zu gestalten, erlebnispädagogische Lernprojekte kennenzulernen und diese selbst anzuleiten. Am stärksten kam der Organisationsaspekt auf der abschliessenden Expedition zum Tragen: Wer übernimmt welche Aufgabe? Wie organisieren wir uns unterwegs und beim Kochen? Braucht es Regeln für das Lagerleben?
Die unvergessliche Tour
Am vierten Tag stand die Kanutour auf dem Programm – für die befragten Studierenden der Höhepunkt des Moduls: In eigenen Booten sollten sie über den Bielersee zum nächsten Übernachtungsplatz paddeln. Die Studierenden packten nach dem Frühstück ihre Sachen und luden die Kanus. Voller Tatendrang und mit Rückenwind paddelten einige los. Andere waren bei dem aufkommenden Wellengang noch etwas unsicher. Plötzlich geriet ein Kanu aus dem Gleichgewicht und kenterte. Das Kanu lag kopfüber auf – und die beiden Teilnehmenden fielen ins Wasser.
Die Mitstudierenden reagierten schnell und hielten das unbemannte Boot an, bevor der Wind es wegtreiben konnte. Die beiden Studierenden schafften es mit der Unterstützung der anderen, wieder ins Boot zu kommen.
Iris Berghuis erinnert sich an die Situation: «Das ungeplante Ereignis veränderte die Gruppendynamik spürbar und machte gegenseitige Unterstützung und Flexibilität sehr sichtbar. In dieser Situation wurde für mich erfahrbar, wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl gerade in unvorhersehbaren Momenten, in denen auch mal etwas Chaos herrscht, entsteht.»
Was das Modul vermittelt
Während des Blockmoduls wechseln sich Selbsterfahrung, Reflexion und der Transfer des Gelernten in die verschiedenen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit kontinuierlich ab. Durch die Selbsterfahrung erleben sich die Studierenden in der Rolle von Adressat*innen der Sozialen Arbeit, können aber durch die Anleitung von Gruppenübungen auch ihre methodischen Kompetenzen weiterentwickeln. Ein wichtiger Bestandteil der Kompetenzentwicklung ist einerseits, dass die Studierenden sich selbst in neuen Situationen erfahren und ihre Komfortzone verlassen. Andererseits reflektieren sie über ihre Erlebnisse und die Gruppendynamik. Die gemeinsame Einordnung und Diskussion mit den Erlebnispädagogen über die Umsetzung und Wirkung der Erlebnispädagogik ist dabei essenziell.
Die Teilnehmenden entwickeln sich persönlich weiter, erlangen Selbstvertrauen, lernen eigene Grenzen kennen und übernehmen Verantwortung. Sie entdecken bestenfalls auch eigene Fähigkeiten, die ihnen bisher unbekannt waren. So werden etwa soziale Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikation und Konfliktlösung erprobt.
Kay Jaberg gehörte zu den Teilnehmenden. Er erinnert sich: «Es war eine einzigartige Woche, die geprägt war von Selbstverantwortung und Spontaneität, von scheinbar unlösbaren Übungen und persönlichen Entwicklungsfeldern. Ich erinnere mich an die praktischen Übungen, in denen ich meine Komfortzone oft verliess. Sie stellten eine Möglichkeit dar, Kooperation zu üben und sich gegenseitig zu vertrauen. Einmal habe ich eine Person aus einer frustrierenden Situation heraus begleitet. Darauf bin ich stolz – ein schönes Gefühl, für das es sich lohnt, Soziale Arbeit zu studieren.»
Die Bedeutung in der Soziale Arbeit
Zur Einordnung des Gelernten gehört auch, dass sich die Studierenden überlegen, für welche Handlungsfelder der Sozialen Arbeit Lernprozesse, wie sie die Erlebnispädagogik ermöglicht, wichtig sein könnten. Zu denken ist dabei beispielsweise an die Schulsozialarbeit, die Offene Kinder- und Jugendarbeit sowie stationäre Wohnsettings. Im Rahmen des Kompetenznachweises erarbeiten die Studierenden ein eigenes erlebnispädagogisches Projekt in einem von ihnen gewählten Handlungsfeld der Sozialen Arbeit.
Für die spätere Arbeit als Fachperson bedeutet die Erfahrung aus dem Modul, dass die Studierenden auf Wissen und Techniken zurückgreifen können, die sie selbst erprobt, erlebt und reflektiert haben. Das ist von grosser Bedeutung, wenn sie selbst erlebnispädagogische Angebote durchführen wollen.
Hinweis zum Magazin «impuls»?
Dieser Artikel erschien im Mai 2026 im Printmagazin «impuls». Das Magazin erscheint dreimal pro Jahr. Es ist gratis abonnierbar und richtet sich an Personen aus dem Sozialbereich.
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