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Wo Unternehmen und zukünftige Fachkräfte zusammenfinden
10.04.2026 Der Unternehmenstag der Berner Fachhochschule und der höheren Fachschule Holz Biel zeigt: Absolvent*innen aus der Holzbranche sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. Sie zeichnen sich durch ihren praktischen Hintergrund und das vielseitige Know-how aus. Einzigartig an der BFH ist die Spezialisierung auf Holz entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Baum bis zu biobasierten Materialien.
Das Wichtigste in Kürze
- Der BFH-Unternehmenstag in Biel war ausgebucht und machte deutlich, wie gross die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften ist.
- Studierende erhielten Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder, Unternehmen knüpften Kontakte zu potenziellen Mitarbeitenden.
- BFH-Absolvent*innen sind besonders gefragt, wenn breites Wissen, vernetztes Denken und praktische Erfahrung gefordert sind
Auf den Gängen des Departements Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule in Biel reiht sich ein Messestand an den anderen. Vertreter*innen von rund 80 Unternehmen aus der ganzen Schweiz sind mit Studierenden und Dozierenden ins Gespräch vertieft. Genau darum geht es beim BFH-Unternehmenstag: Studierende erhalten einen Einblick in ihre beruflichen Perspektiven in der Holzbranche. Und Arbeitgeber*innen nutzen die Gelegenheit, sich mit potenziellen Angestellten zu vernetzen.
Rückblick Unternehmenstag 2026
Suche nach einem Praktikumsplatz
Der Fachbereich Holz bietet drei Studiengänge an: Dipl. Holztechniker/in HF, Bachelor Holztechnik und Master Wood Technology. Zur Ausbildung als Holztechniker/in HF gehört ein mindestens neunmonatiges Praktikum, im Bachelor ist es freiwillig. Der Unternehmenstag sei auch eine gute Gelegenheit, um einen passenden Betrieb zu finden, sagt Ivo Cotting. Er ist gelernter Zimmermann, hat in der Schweiz und in Kanada gearbeitet und studiert nun Holztechniker HF im zweiten Semester. Am Unternehmenstag hört er sich mehrere Kurzvorträge von Unternehmen an, um sich einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu verschaffen.
Er weiss bereits, was er nach dem Studium machen will: Er wird die Zimmerei seines Vaters übernehmen. «Das Studium bietet ein vielseitiges Gesamtpaket, das mich gut darauf vorbereitet», sagt er.
«Wer sich für die Holzbranche interessiert, kann hier nicht falsch sein»
Auch für Menschen, die noch keine konkreten Pläne haben, eigne sich ein Studium an der BFH, sagt Bachelor-Student Linus Linder. «Wer sich für die Holzbranche interessiert, kann hier nicht falsch sein», ist er überzeugt.
Er selbst studiert im vierten Semester Holztechnik mit Vertiefung Holzwirtschaft. Er habe sich dafür entschieden, weil er etwas Technisches machen, aber weiterhin mit dem Werkstoff Holz arbeiten wollte. Sein Studiengang verbinde diese beiden Komponenten perfekt, sagt der gelernte Schreiner.
Auch er schaut sich am Unternehmenstag nach einem möglichen Praktikumsbetrieb um. Angesichts des Fachkräftemangels in der Branche macht er sich für die Stellensuche keine grossen Sorgen: «Gute Leute sind in der Branche immer gesucht, mit der Ausbildung an der BFH fühle ich mich bereit für den Arbeitsmarkt.»
Europaweit einzigartiger Master
Julia Jasińska aus Polen und Paul Baustert aus Frankreich entschieden nach ihrem Bachelor, einen Master in Wood Technology anzuschliessen. Julia Jasińska, die im zweiten Semester studiert, absolvierte vorher einen Bachelor in Architekturtechnologie und Baumanagement in Dänemark. Sie interessierte sich für nachhaltiges Bauen, insbesondere für Holzbau, und suchte nach einem entsprechenden Masterstudiengang. «Nirgendwo sonst in Europa habe ich einen Master gefunden, der so auf Holz spezialisiert ist», sagt sie.
Paul Baustert studiert im vierten Semester im Rahmen eines Double Degree Programms. Den ersten Abschluss machte er in Frankreich, wo er sich mit dem Werkstoff Holz beschäftigte. «Danach wollte ich mich im Bereich biobasierte Materialien vertiefen», sagt er. Die BFH sei europaweit die einzige Hochschule, die genau darauf einen Schwerpunkt lege. Sein Highlight bisher ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Schweizer Firma ENGA GmbH. Das Ziel: recyceltes Polypropylen-Plastik mit natürlichen Abfallprodukten zu stärken. Das gelang mit Kaffee-Säcken aus Jute sowie Schalen von Kakaobohnen. Das Material wird aktuell entwickelt.
«Es ist cool, dass an der BFH Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen studieren», sagt Julia Jasińska. Sie schätze das Know-how vor Ort und den Austausch mit Fachpersonen.
Eine familiäre Branche
Für Adrian Fleischlin, Leiter Produktentwicklung bei der Küchenherstellerin Veriset AG aus Root (LU), ist der Unternehmenstag fast ein bisschen ein Nachhausekommen. Er schloss vor neun Jahren den Bachelor in Holztechnik an der BFH ab und kennt viele der Anwesenden persönlich: «Es ist eine sehr familiäre Branche.»
Veriset besetzt regelmässig Praktikumsplätze mit BFH-Studierenden. «Bei ihnen weiss ich, dass sie die Branche kennen und ich mich auf sie verlassen kann», sagt der Holztechniker. Fest angestellt sind bei Veriset aktuell acht BFH-Abgänger*innen. Adrian Fleischlin schätzt es, dass die meisten von ihnen einen Hintergrund als Schreiner*in oder Zimmerin und Zimmermann haben und damit ein breites Vorwissen mitbringen.
Das Beispiel von Josias Haas zeigt, wie aus einem Praktikum eine Festanstellung wurde und er nun gemeinsam mit Adrian neue Produkte für den Küchenmarkt entwickelt:
Vielseitig und vernetzt
«Wer an der Höheren Fachschule Holz Biel studiert hat, ist breit aufgestellt, und solche Leute braucht jeder Betrieb», sagt auch Marc Gehri, Co-Geschäftsleiter der Gehri AG aus Aarberg. Er selbst schloss vor 20 Jahren die HF Holztechnik ab. Seither habe sich einiges getan, vor allem bezüglich Interdisziplinarität: BFH-Abgänger*innen zeichneten sich durch ihr vielseitiges Wissen und vernetztes Denken aus.
Vernetzt denken, interdisziplinär Arbeiten und der grosse Praxisbezug: Das schätzen die beiden HF-Abgänger am Studium, die bei Gehri mittlerweile Festangestellt sind.
Aktuell sind in seiner Firma zwei Stellen und ein Praktikumsplatz offen. Das Praktikum besetzte Gehri bisher immer mit Studierenden aus Biel. Einige davon hat er am Unternehmenstag kennengelernt – dieser ist also eine gute Chance, neue Mitarbeitende zu gewinnen oder sich ein Bild von möglichen Arbeitgeber*innen zu machen.
Praxis und Theorie vereint
Das Departement Architektur, Holz und Bau plant, ab dem Herbstsemester 2026 ein Praxisintegriertes Bachelor-Studium (PiBS) anzubieten, wie das in anderen Disziplinen der BFH bereits existiert. Dieses richtet sich an Personen, die eine gymnasiale Maturität oder eine Berufsmaturität mit fachfremder Grundbildung, aber noch keine Berufserfahrung haben. Im PiBS können sie direkt mit dem Bachelorstudium Holztechnik starten. Dieses dauert vier statt drei Jahre und beinhaltet ein Praktikum in einem Betrieb.