Ko-Produktive Evaluationsentwicklung
Gemeinsam mit Expert*innen aus Erfahrung wird ein ko-produktives Evaluationskonzept für die Swiss Recovery Colleges erarbeitet. Partizipative Workshops sichern eine gemeinsame Entscheidungsfindung.
Steckbrief
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Beteiligte Departemente
Gesundheit
Soziale Arbeit - Institut(e) Pflege
- Forschungseinheit(en) Innovationsfeld Psychische Gesundheit und Psychiatrische Versorgung
- Strategisches Themenfeld Themenfeld Caring Society
- Förderorganisation BFH
- Laufzeit (geplant) 01.01.2026 - 31.12.2026
- Projektleitung Nora Christa Ambord
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Projektmitarbeitende
Dr. Christian Burr
Sabine Rühle Andersson
Melina Hasler
Roberto Cassanello
Renata Bleichenbacher
Stephanie Kay Ventling
Flavio Trolese - Partner Swiss Recovery Colleges
- Schlüsselwörter Swiss Recovery Colleges, Ko-Produktive Evaluation, Partizipation, Erfahrungswissen, Expert*innen aus Erfahrung, Co-Forschung, Psychische Gesundheit, Soziale Teilhabe, Inklusive Bildungsangebote, Commu
Ausgangslage
Recovery Colleges sind niederschwellige, inklusive Bildungsangebote, die den Austausch zur psychischen Gesundheit zwischen Betroffenen, Fachpersonen, Angehörigen und weiteren Interessierten fördern. Sie eröffnen Räume zur Auseinandersetzung ausserhalb klinischer Settings und sollen damit einen Beitrag zum Abbau von Stigmatisierung gegenüber psychischen Erkrankungen leisten. Zugleich schaffen sie Begegnungsorte, die zwischenmenschliche Beziehungen stärken und soziale Teilhabe sowie gemeinschaftliche Verantwortung fördern. Kennzeichnend ist das Prinzip der Ko-Produktion: Menschen mit eigener Krisenerfahrung und Personen ohne solche Erfahrungen entwickeln und gestalten die Angebote gemeinsam und bringen Erfahrungswissen sowie fachliche Expertise gleichwertig ein. In der Deutschschweiz und der Romandie bestehen derzeit sieben Recovery Colleges, von denen die Mehrheit in den letzten fünf Jahren gegründet wurde. Bislang fehlt ein gemeinsam getragenes Evaluationskonzept, das den partizipativen Grundwerten der Recovery Colleges entspricht. Bestehende Evaluationsansätze werden häufig top-down konzipiert und laufen damit Gefahr, zentrale Erfahrungs- und Praxisperspektiven unzureichend einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedarf an einem ko-produktiv entwickelten, praxisnahen Evaluationskonzept, das sowohl wissenschaftlichen Anforderungen gerecht wird als auch den Werten der Recovery Colleges entspricht und somit eine tragfähige Grundlage für eine spätere Evaluation bildet.
Vorgehen
Die Erarbeitung des Evaluationskonzepts erfolgt in mehreren partizipativ gestalteten Workshops mit einem Evaluationskomitee. Dieses setzt sich aus Menschen mit und ohne eigene Erfahrungen psychischer Erkrankungen zusammen und vereint relevante Perspektiven aus der Recovery-College-Praxis sowie der Evaluationsentwicklung. Die Workshops sind so angelegt, dass unterschiedliche Sichtweisen systematisch einbezogen und gemeinsam tragfähige Entscheidungen erarbeitet werden. Methodische Grundlage bildet der Ansatz der Community-Based Participatory Research, der eine gleichberechtigte Beteiligung aller Akteur*innen sicherstellen soll. Der Prozess der Evaluationskonzipierung folgt in den Workshops iterativen Zyklen von Planung, Handeln, Beobachten und Reflektieren im Sinne des Action-Research-Ansatzes. Die Workshops fungieren dabei zugleich als Steuerungs- und Reflexionsinstrument, in dem Zwischenergebnisse diskutiert, bewertet und weiterentwickelt werden. Auf diese Weise soll ein Evaluationskonzept entstehen, das kontinuierlich auf die Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse der Beteiligten reagiert. Diese Ausrichtung betont Situationsabhängigkeit, Flexibilität und fortlaufende Rückkopplung als zentrale Merkmale partizipativer Forschung und trägt wesentlich zur Praxisnähe und Anschlussfähigkeit des Konzepts bei.
Ausblick
Die Weiterentwicklung der Swiss Recovery Colleges anhand einer gemeinsamer Auseinandersetzung mit Zielen, Werten und Qualitätsverständnissen kann dazu beitragen, ko-produktive Evaluation langfristig zu verankern und die wissenschaftliche Fundierung der Swiss Recovery Colleges zu stärken. Eine gestärkte wissenschaftliche Fundierung kann die Weiterentwicklung und gesellschaftliche Verankerung der Swiss Recovery Colleges unterstützen. Das erarbeitete Evaluationskonzept kann zudem als Grundlage für künftige politische Diskussionen sowie als modellhafter Ansatz für partizipative Evaluationsforschung dienen.