The global hospital – Das Spital als globaler Arbeitsort Reproducing healthcare through entanglements of labour, mobility and knowledge in Switzerland and Austria

Das lokale Spital als globaler Arbeitsort: Wir untersuchen, wie Mitarbeitende aus verschiedenen Ländern mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Praktiken und Wissensformen die Spitalversorgung prägen.

Steckbrief

Ausgangslage

Die medizinische Versorgung in der Schweiz und in Österreich steht vor grossen Herausforderungen durch den Fachkräftemangel, den sie häufig nur dank der Arbeit von Mitarbeitenden aus aller Welt bewältigen können. Mit dem Konzept des «Global Hospital» rückt unser Forschungsprojekt Spitäler als Knotenpunkte globaler Versorgungsketten in den Fokus: als soziale Räume, in denen – über die vielfältigen Migrationsbiografien der Spitalarbeiter*innen – Pflege- und Versorgungspraktiken sowie Wissensbestände aus unterschiedlichen sozio-kulturellen Kontexten aufeinandertreffen.

Während sich die Forschung meist auf medizinisches Personal und Patient*innen konzentriert, sind es vor allem Pflegefachpersonen, Pflegeassistenzen sowie Küchen- und Reinigungspersonal, die die klinische Versorgung überhaupt erst ermöglichen. Sie vermitteln nicht nur zwischen Ärzt*innen und Patient*innen, sondern schaffen die eigentliche Grundlage für eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Genau hier setzt unser Projekt an: Wir untersuchen ethnographisch den Arbeitsalltag, die Migrationswege und die Wissensbestände dieser oft übersehenen Berufsgruppen in der Schweiz und in Österreich. Dabei betrachten wir beide Gruppen (Care- und Maintenance-Personal) gemeinsam und überwinden so die traditionellen Berufsgrenzen der Forschung. Gefördert wird das Projekt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF).

The global hospital

Ziele

Wir wollen sichtbar machen, wie Arbeit, Migration und Wissen in schweizerischen und österreichischen Spitälern global verflochten sind – aus der Perspektive der Beschäftigten selbst. Dabei interessiert uns auch, welche Auswirkungen diese Arbeitsmigration in den Herkunftsländern hat, insbesondere im post-jugoslawischen Raum und in Kolumbien.

Unsere zentralen Fragen:

  • Welche Ausbildungs- und Migrationswege führen ins Spital?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Wie wird Wissen vermittelt und weitergegeben?
  • Und wie wirkt sich all dies auf den Spitalalltag aus?

Die Forschungsergebnisse werden nicht nur in akademischen Publikationen veröffentlicht, sondern auch in einer öffentlich zugänglichen digitalen Ausstellung präsentiert – für Spitalmitarbeitende ebenso wie für ein breites Publikum.

Vorgehen

Unser Forschungsansatz konzentriert sich auf drei zentrale Aspekte von Verflechtungen: (1) die Zusammenarbeit, Arbeitsteilung und Aushandlung von Arbeit zwischen medizinischem und nicht-medizinischem Spitalpersonal; (2) unterschiedliche Formen von Mobilitäten und Migration, die Spitalarbeit und Versorgungspraktiken prägen; sowie (3) die vielfältigen Wissenspraktiken, die Menschen in das Spital einbringen, dort hervorbringen und über das Spital hinaus weitertragen.

Global Hospital 3 Kreise

Das Projekt umfasst vier Teilprojekte in der Schweiz und in Österreich: zwei Nachbarländer mit ähnlichen Herausforderungen, aber unterschiedlichen Ansätzen bei der Personalrekrutierung. An der BFH leitet PI Dr. Julia Rehsmann zwei dieser Teilprojekte: Teilprojekt A «Entangled care» sowie Teilprojekt D «Exhibiting entanglements».

Global Hospital Teilprojekte

Teilprojekt A: Entangled care

Wie arbeiten Pflegefachpersonen, Assistenzpersonal, Hauswirtschaft und Hotellerie im Spitalalltag zusammen? 

Geleitet von PI Julia Rehsmann, untersucht Doktorandin Ursina Huber mittels ethnographischer Methoden den Arbeitsalltag in einem Schweizer Spital und führt Gespräche mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen. Im Fokus steht die Frage, wie diese unterschiedlichen Tätigkeiten ineinandergreifen und gemeinsam die tägliche Gesundheitsversorgung ermöglichen.

Teilprojekt B: Inter/mediated entanglements

Wie verändern Outsourcing und internationale Rekrutierung die Zusammenarbeit von Care- und Maintenance-Personal im Spitalalltag?

In Österreich untersucht Doktorandin Mara Köhler, wie Outsourcing und internationale Rekrutierung die Spitalarbeit verändern. Während zwölf Monaten begleitet sie Care- und Maintenance-Arbeiter*innen in Wiener Spitälern und erforscht, wie sie trotz zunehmender Arbeitsteilung und externer Vermittlung zusammenarbeiten. Das Teilprojekt wird von Co-PI Prof. Dr. Janina Kehr (Universität Wien) geleitet.

Teilprojekt C: Dis/entangling routes of labour

Welche Wege führen Spitalmitarbeitende aus dem Ausland in die Schweiz und nach Österreich? Wie erfolgen Rekrutierungsprozesse, sowohl durch gewinnorientierte Agenturen als auch über informelle Netzwerke?

Postdoktorandin Anita Prša folgt diesen transnationalen Routen – von den Spitälern bis in die Herkunftsländer. Sie erforscht sowohl etablierte diasporische Netzwerke im post-jugoslawischen Raum als auch neue Rekrutierungswege aus Kolumbien. Dabei interessiert sie besonders wie die Erfahrungen der Spitalsmitarbeitenden die verschiedenen transnationalen gesellschaftlichen und Spitalkontexte prägen. Geleitet wird dieses Teilprojekt von Co-PI Prof. Dr. Jelena Tošić (Universität St. Gallen).

Teilprojekt D: Exhibiting entanglements

Wie lässt sich die oft unsichtbare Arbeit dieser vielfältigen Belegschaft sichtbar machen? Geleitet von PI Dr. Julia Rehsmann entwickeln Designforschende an der BFH in den letzten beiden Projektjahren gemeinsam mit den Spitalmitarbeitenden eine hybride Ausstellung – online und vor Ort. Durch partizipative Designforschung entsteht ein Blick auf das globale Spital aus der Perspektive derjenigen, die es täglich am Laufen halten.

Team

Scientific Advisory Board

  • César Abadía-Barrero, Associate Professor, Department of Anthropology, University of Connecticut
  • Fanny Chabrol, Research Fellow, Institute for Sustainable Development and Research, Center for Population & Development, Paris
  • Tomás Sánchez Criado, Ramón y Cajal Senior Research Fellow, CareNet Research Group, Open University of Catalonia
  • Janine Dahinden, Professor, Maison d'analyse des processus sociaux (MAPS), Université de Neuchâtel
  • Anna Elsner, Assoziierte Professorin, Universität St.Gallen
  • Mariña Fernández Reino, Ramon y Cajal Research Fellow, Spanish National Research Council
  • Rita Kesselring, Assoziierte Professorin, Universität St.Gallen
  • Patrícia Alves de Matos, Invited Assistant Professor, NOVA University of Lisbon
  • Marta Stojić Mitrović, Senior Research Associate, Institute of Ethnography, Serbian Academy of Sciences
  • Sabine Strasser, Professor, Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern
  • Cecilia Vindrola, Professorial Research Fellow, Department of Targeted Intervention, University College London
     

Weitere Informationen

Projektpartnerschaften