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Arbeitnehmende mit Homeoffice zunehmend zufriedener
20.11.2025 Bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen öffnet sich in der Schweiz zunehmend eine Schere zwischen Arbeitnehmenden mit und ohne Homeoffice. Zu diesem Resultat kommt das Barometer Gute Arbeit, das jährlich die Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen in der Schweiz untersucht.
Die Corona-Pandemie hat die Art, wie wir arbeiten stark verändert. Im Jahr 2020 wurde im Rahmen des Barometers Gute Arbeit erstmals die Nutzung von Homeoffice abgefragt. Dabei stellte sich heraus, dass 49% der Arbeitnehmenden vollständig oder teilweise im Homeoffice arbeiteten. Gut die Hälfte davon gaben an, dies bereits davor in einem gewissen Ausmass getan zu haben. Rund ein Viertel der Arbeitnehmenden hatte somit bereits vor der Corona-Pandemie Homeoffice-Erfahrungen – ein Achtel arbeitete bereits mindestens einmal pro Woche zuhause. Auch stieg bei den Homeoffice-Nutzenden die durchschnittliche Arbeitsanteil pro Woche von 0.5 Tagen vor der Pandemie auf 1.5 Tage im Jahr 2021.
Bereits während der Pandemie sank der Anteil derjenigen, die zumindest teilweise im Homeoffice arbeiteten. Im Jahr 2021 gaben dies noch 40% der Befragten an, danach bleib der Anteil mit kleineren Schwankungen stabil, dieses Jahr liegt er bei 43%. Die Homeoffice-Nutzung hat sich somit auf einem hohen Niveau etabliert. 28% der Befragten geben 2025 an, mindestens einen ganzen Tag pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Für 10% macht Homeoffice die Hälfte der Arbeitszeit aus, 7% der Arbeitnehmenden arbeiten vorwiegend daheim.
Arbeitsplätze mit Homeoffice werden besser beurteilt
Arbeitnehmende, die mindestens teilweise im Homeoffice arbeiten, geben bei allen drei untersuchten Teildimensionen Motivation, Sicherheit und Gesundheit durchschnittlich eine höhere Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen an. Dies ist wenig erstaunlich, da diese Arbeitsstellen häufig mehr Gestaltungsspielraum bieten, mit weniger körperlichen Belastungen und einer höheren Qualifikation verbunden sind sowie ein kürzerer Arbeitsweg anfällt. Diese Faktoren sind Gründe für eine höhere Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen.
Bei einer detaillierteren Betrachtung zeigen sich aber auch Nachteile von Jobs mit Homeoffice-Nutzung: Betreffend Termindruck, Unterbrechungen der Arbeit, Erreichbarkeit und überlangen Arbeitstagen erreichen diese Stellen signifikant schlechtere Werte. Auch dies scheint nachvollziehbar: Das Arbeiten im Homeoffice ist mit dem Pflichtgefühl verbunden, ständig erreichbar zu sein. Auch birgt es die Gefahr, unter Termindruck länger zu arbeiten, und das Problem, die Arbeit nicht vom Privatleben abgrenzen zu können.
Zunehmende Ungleichheit zwischen Arbeitsstellen mit und ohne Homeoffice
Betrachtet man, wie sich die Beurteilung der Arbeitsplätze in den letzten fünf Jahren verändert hat, so geht diese zwischen den Arbeitnehmenden mit und ohne Homeoffice-Nutzung zunehmend auseinander. Im Jahr 2021 betrug der Unterschied des Gesamtindexes bei 3.4 Punkten (69.2 mit Homeoffice; 65.8 ohne Homeoffice). Danach entwickelten sich bei den Arbeitnehmenden mit Homeoffice-Nutzung alle drei Dimensionen positiv: So berichten sie etwa von einer erhöhten Wertschätzung durch die Vorgesetzten, von mehr Einfluss auf die Arbeitszeiten und von verbesserter Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie die Erfahrungen während der Corona-Pandemie zeigten, könnte das letzte Ergebnis auch von einer Ungleichheit der Geschlechter geprägt sein.
Verschlechtert hat sich in diesem Zeitraum für Homeoffice-Nutzende bloss der Wert zur körperlich schweren Arbeit. Was auf den ersten Blick im Widerspruch zur Tätigkeit im Homeoffice scheint, könnte darauf zurückzuführen sein, dass vermehrt auch in Arbeitsstellen mit körperlichen Belastungen mittlerweile gewisse Tätigkeiten im Homeoffice möglich sind, so dass 2025 andere Personen zur Homeoffice-Gruppe gehören als noch 2021.
Bei den Arbeitnehmenden in Jobs ohne Homeoffice-Nutzung entwickelten sich insbesondere drei Werte im Gesundheitsbereich negativ: Präsentismus (Arbeiten trotz Krankheit), Termindruck und Umwelteinflüsse am Arbeitsplatz. Nur ein Wert entwickelte sich positiv: die Möglichkeit einen vergleichbaren Job zu finden. Arbeitsplätze ohne Homeoffice scheinen nach wie vor eine hohe Sicherheit zu bieten, die teilweise auf den Mangel an Fachkräften zurückzuführen ist – so etwa im Gesundheits- und Bildungswesen.
Homeoffice sollte breiter angeboten werden
Insgesamt scheinen Arbeitsstellen mit Homeoffice an Attraktivität zu gewinnen, während für Arbeitsstellen ohne Homeoffice das Gegenteil der Fall ist. Im Jahr 2025 lag der Unterschied des Gesamtindex bereits bei 5.5 Punkten (70.1 gegenüber 64.6). Wenn Homeoffice – trotz der erwähnten negativen Punkte – generell die Zufriedenheit mit dem eigenen Arbeitsplatz erhöht, scheint es wichtig, auch in Jobs von weiteren Branchen und Tätigkeitsfeldern Möglichkeiten für Homeoffice zu schaffen, um so einer zunehmenden Ungleichheit der Arbeitsbedingungen entgegenzuwirken.
Barometer Gute Arbeit
Das Barometer Gute Arbeit misst jährlich die von Arbeitnehmenden beurteilte Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz. Es setzt sich aus den drei Dimensionen Motivation, Sicherheit und Gesundheit zusammen. Diese können Werte von 0 bis 100 aufweisen. Je höher der Wert, desto besser werden die Arbeitsbedingungen von den Arbeitnehmenden beurteilt.
In der diesjährigen Umfrage ist die Bewertung der Arbeitsbedingungen um 0.7 Punkte auf einen Wert von 67.0 Punkten leicht gesunken. Damit liegt er aber weiterhin über dem Niveau der Jahre vor Corona. Während sich die beiden Dimensionen Sicherheit und Motivation dieses Jahr kaum veränderten haben, ist der Index bei der Gesundheit von 61.5 auf 60.0 signifikant gesunken.
Kontakte:
- Prof. Dr. Tobias Fritschi, Leiter Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik
- Prof. Dr. Matthias Riedel, Dozent, Institut Soziale und kulturelle Vielfalt
Artikel und Berichte:
- Fritschi, T. (2025). Barometer Gute Arbeit» Qualität der Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Arbeitnehmenden – Ergebnisse für das Jahr 2025
- Fritschi, T. & Hänggeli, A. (2022): Was macht uns beim Arbeiten glücklich?; In: knoten & maschen (21.11.22); Bern
- Fritschi, T. (2021): Corona-Krise stärkt Vertrauen in Arbeitgebende und spitzt Geschlechterungleichheit zu; In: knoten & maschen (26.10.21); Bern
- Fritschi, T. (2020): Arbeitsalltag in Corona-Zeiten: das Stimmungsbild; In: knoten & maschen (14.8.20); Bern
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Literatur und weiterführende Links: