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Peer-Arbeit in der Armutspolitik: Erfahrung auf Augenhöhe

27.05.2026 Viele armutsbetroffene Personen nutzen die vorhandene Unterstützungsangebote nicht. Peer-Arbeit nutzt Erfahrungswissen, um Ihnen den Zugang zu erleichtern, Vertrauen aufzubauen und wirksame Unterstützung zu ermöglichen. Forschende, armutsbetroffene Personen und Fachpersonen entwickelten nun gemeinsam ein Konzept für Peer-Arbeit in der Armutspolitik.

Peer-Arbeit in der Armutspolitik
Fotos: Oliver Slappnig

In der Schweiz leben 8,4 Prozent der Bevölkerung in Armut. Jedoch beziehen zwischen 20 und 40 Prozent der berechtigten Personen keine entsprechenden Sozialleistungen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Scham, Unsicherheit im Umgang mit Behörden oder fehlende Informationen über vorhandene Angebote. Zudem fehlt es an passenden, niederschwelligen Unterstützungsangeboten. Genau hier setzt das Konzept der Peer-Arbeit an.

Peer-Arbeit: Unterstützung durch Erfahrungswissen

Durch Peer-Arbeit können armutsbetroffenen Person, die eine entsprechende Weiterbildung besucht haben, andere armutsbetroffene Person unterstützen. Beide Personen teilen einen gemeinsamen Erfahrungskontext, etwa im Umgang mit Stigmatisierung oder alltäglichen Herausforderungen. Diese Erlebnisse machen sie füreinander zu Peers. Sie helfen sich dabei, das Gegenüber in ähnlichen schwierigen Lebenssituationen zielführend emotional zu unterstützen, zu ermutigen und zu begleiten. Dies belegen zum Beispiel Studien zur ambulanten Psychiatrie, zur Behindertenhilfe und zum Suchtbereich.

Damals konnten wir nicht auf das Erfahrungswissen anderer zurückgreifen. Wir wären froh gewesen, wenn jemand mit uns nützliche Erfahrungen geteilt hätte.

  • Ein im Projekt beteiligter Peer

Peers bringen eine Perspektive ein, die wir als Fachpersonen so nicht haben und die für Betroffene sehr wertvoll sein kann.

  • Eine Fachperson

Partizipative Entwicklung der Chancen und Voraussetzungen

Damit soziale Organisationen Peer-Arbeit planen, einführen und weiterentwickeln können, benötigen sie ein Rahmenkonzept. Als praxisnahe Wegleitung stellt es unter anderem sicher, dass Verantwortungen der Sozialen Arbeit oder der Behörden nicht missbräuchlich an die unterstützenden Peers abgegeben werden oder die Peer-Arbeit bloss symbolisch erfolgt. Im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «Peer-Arbeit für armutsbetroffene Personen: Konzept, Einführung und Wirkung» erarbeiteten Forschende der BFH gemeinsam mit Peers und Fachpersonen aus sozialen Organisationen ein passendes Rahmenkonzept. Es beinhaltet Grundlagen, Chancen und Voraussetzungen für die Peer-Arbeit in der Armutsprävention und -bekämpfung sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umsetzung und Weiterentwicklung von Peer-Arbeit in der Armutspolitik.

Zentrale Voraussetzungen für Peer-Arbeit Eine erfolgreiche Peer-Arbeit basiert auf fünf Grundelementen, die sich in der Schweiz während der partizipativen Entwicklung des Rats für Armutsfragen sowie auch international bewährt haben:

  • Ziele
  • Mitglieder
  • Adressat*innen
  • Funktionsweise
  • Ressourcen/Finanzen

Während der Ausarbeitung des Rahmenkonzepts konnten dazu wichtige Erkenntnisse gewonnen werden:

  • Zu den zentralen Zielen zählen zum einen personenbezogene Ziele wie die Erreichbarkeit der armutsbetroffenen Personen, sowie die Stärkung ihrer Selbstwirksamkeit. Zum anderen sind strukturelle Ziele wichtig. Dazu braucht es die Bereitschaft von Fachpersonen, blinde Flecken in Prozessen und Praktiken zu erkennen und die Unterstützungsangebote entsprechend zu überprüfen und anzupassen.
  • Für das Funktionieren der Peer-Arbeit innerhalb einer Organisation braucht es eine transparente Rollenklärung und eine feste Ansprechperson für die Peers. Zudem ist es wichtig, dass die Peers ihr Betroffenenwissen in einer Weiterbildung reflektieren, ihre Kompetenzen weiterentwickeln und Methoden der Peer-Arbeit erlernen. Bereits bei der Rekrutierung der Peers sollte zudem bereits das passendes Matching mit den Nutzenden berücksichtigt werden.
  • Für die Umsetzung der Peer-Arbeit braucht es ausreichende personelle, organisatorische und finanzielle Ressourcen und klare Rahmenbedingungen für die Anstellung der Peers: eine faire Entschädigung, transparente Arbeitszeiten und klare Zuständigkeiten zur Qualitätssicherung.

Begleitete Umsetzung als nächster Schritt

In einem nächsten Schritt wird das Forschungsteam der BFH ab Sommer 2026 die Peer-Arbeit in acht sozialen Organisationen in Bern, Biel und Neuchâtel mit vierzehn Peers umsetzen, die sich aktuell für diese Aufgabe in einem Fachkurs weiterbilden. Dabei wird untersucht, welche Wirkung die Peer-Arbeit auf den Zugang zu Unterstützungsangeboten sowie auf das Wohlbefinden armutsbetroffener und -gefährdeter Menschen hat.

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Literatur und weiterführende Links:

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