3 Fragen an Dr. Hanna Milling, Lehrbeauftragte im Fachkurs Kreative Methoden in der Mediation

21.11.2019 Was hat Storytelling mit Mediation und Konfliktbearbeitung zu tun? Das erklärt uns im Dr. Hanna Milling im Kurzinterview.

Warum setzen Sie Storytelling in der Mediation ein? Was kann damit erreicht werden?


Geschichten sind in Sprache gegossene Bilder, die unter die Haut gehen, berühren und bewegen. Ich bin immer wieder zutiefst fasziniert, wie eine geeignete, im richtigen Moment erzählte Geschichte zum Wendepunkt der Konfliktbearbeitung wird. Denn Geschichten sind ein Medium der Kommunikation auf mehreren Ebenen. Sie erreichen Herz und Verstand gleichzeitig. Anders ausgedrückt: sie erreichen nicht nur unser rational denkendes Grosshirn, sondern auch die Teile unseres Hirns, die dem bewussten Denken nicht direkt zugänglich sind. Diese tiefer liegenden Regionen – das limbische System und das Stammhirn – sind für die angestrebten Wendepunkte, d.h. wirkliche Haltungs- und Verhaltensänderungen zuständig. 

In welchen Situationen ist der Ansatz besonders hilfreich?


Storytelling kann zu jedem Zeitpunkt der Mediation hilfreich sein. Nicht selten setze ich sie bereits bei der Auftragsklärung ein. Ganz besonders aber dann, wenn der Prozess ins Stocken gerät, sich das Gespräch im Kreis dreht, um den heißen Brei gesprochen wird. Das heisst, Storytelling wird besonders interessant, wenn es unmöglich wird, von der Sachebene zur tieferliegenden Ebene der Emotionen und Bedürfnisse vorzudringen oder Schutz- und Abwehrmechanismen das Fortkommen blockieren. Hier können mit einer Geschichte Widerstände und Blockaden auf fast spielerische Art überwunden werden. Mit ihren Perspektivwechseln und kreativen Potential helfen Geschichten auch eine Lösungssuche einzuleiten.  

Wie vermitteln Sie den Storytelling-Ansatz in Ihrer Weiterbildung bzw. wie eignen sich die Teilnehmenden im Fachkurs den Storytelling-Ansatz an?


In den zwei Tagen vermittle ich zum einen Hintergründe über die Wirkkraft von Geschichten: weshalb können Geschichten so Erstaunliches bewirken? Wir werden also einen Ausflug zu Erkenntnissen aus Psychologie, Neurowissenschaften und Kulturgeschichte machen. Ganz konkret schauen wir dann die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten des Storytellings in der Konfliktarbeit an und erproben diese praktisch. Dazu erhalten die Teilnehmenden eine Sammlung geeigneter Geschichten, mit denen wir beginnen, das «Wie», «Wann» und «Wo» des Einsatzes zu erkunden. Schliesslich erweitern wir den Blick mit verschiedensten Spielarten des Storytellings und arbeiten an und mit konkreten Konfliktgeschichten der Teilnehmenden. 

Dr. Hanna Milling am Mediationstag

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Fachgebiet: Soziale Arbeit
Rubrik: Weiterbildung