Headache Management Training
Ein Headache Management Training verbessert Diagnostik, Therapie und Zusammenarbeit. Betroffene werden besser begleitet, Versorgungswege klarer, Fehlbehandlungen reduziert und die Versorgung insgesamt effizienter und nachhaltiger.
Steckbrief
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Beteiligte Departemente
Gesundheit
Wirtschaft -
Institut(e)
Institut New Work (INW)
Pflege
Physiotherapie - Forschungseinheit(en) Schmerz, Stress und Thermoregulation
- Förderorganisation Andere
- Laufzeit (geplant) 01.05.2026 - 30.04.2028
- Projektleitung Heike Kubat
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Projektmitarbeitende
Kay Hanusch
Manuela Grieser
Dr. Claudia Poggiolini
Kevin Benjamin Hablützel
Prof. Dr. Verena Stahl
Prof. Dr. med. Christoph Schankin
Prof. Dr. Kerstin Lüdtke
Vivian Catharina Hilker
Prof. Dr. Heiner Baur -
Partner
Bellevue Medical Group AG, Zentrum für Kopfschmerzen und Migräne, Zürich
Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital Bern
Kopftherapeuten e.V. Sulzbach D - Schlüsselwörter Kopfschmerzmanagement, Migräne, Diagnostische Genauigkeit, Evidenzbasierte Therapie, Physiotherapie, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Versorgungsqualität, Selbstmanagement, Gesundheitskompetenz
Ausgangslage
Migräne und Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Ursachen für Einschränkungen im erwerbsfähigen Alter. Trotz wirksamer Akut- und Prophylaxetherapien bestehen weiterhin relevante Versorgungslücken: Migräne wird häufig als Spannungskopfschmerz oder cervicogener Kopfschmerz fehlklassifiziert, hochfrequente und chronische Verlaufsformen werden unzureichend erkannt, prophylaktische Therapien werden nicht konsequent eingesetzt und Medikamentenübergebrauchskopfschmerz bleibt ein relevantes Problem. Zudem erfolgen Überweisungen an Fachärzt*innen oft verzögert.
Vorgehen
Physiotherapeut*innen sind in der Praxis häufig erste Ansprechpartner für Patient*innen mit rezidivierenden Kopfschmerzen und begleitenden Nackenschmerzen. In der Schweiz existiert bislang jedoch kein geprüftes migränespezifisches Fortbildungsprogramm für diese Berufsgruppe; auch in den BSc- und MSc-Studiengängen der Physiotherapie ist das Thema bislang nur marginal im Curriculum vertreten. Vor diesem Hintergrund haben wir ein evidenzbasiertes zweitägiges Fortbildungsprogramm entwickelt. Dieses umfasst unter anderem die ICHD-3-Diagnostikkriterien, die Differenzierung zwischen Migräne, Spannungskopfschmerz und cervicogenen Kopfschmerzen, die Erkennung chronischer Migräne und der Indikation für prophylaktische Therapien, «Red Flags» sowie strukturierte Überweisungskriterien und evidenzbasierte physiotherapeutische Befundung im interdisziplinären Versorgungssetting. Das Programm wird im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie in der Schweiz evaluiert.
Ergebnisse
Wir erwarten, dass Physiotherapeut*innen ihre diagnostische Sicherheit deutlich verbessern und Kopfschmerzformen präziser erkennen. Dadurch werden Fehlbehandlungen reduziert und Betroffene erhalten frühzeitig Zugang zu einer adäquaten, zielgerichteten Medikation. Gleichzeitig fördert das Training die interdisziplinäre Zusammenarbeit, was zu abgestimmten, effizienten und qualitativ hochwertigen Versorgungsprozessen führt.
Ausblick
Strategisch adressiert das Projekt eine zentrale Schnittstelle zwischen Erstkontakt im Gesundheitswesen und spezialisierter Migräneversorgung. Ziel ist es, diagnostische Verzögerungen zu reduzieren, PatientInnen früher einer leitliniengerechten Therapie zuzuführen, Medikamentenübergebrauch zu reduzieren und gleichzeitig Real-World-Daten zur Migräneversorgung in der Schweiz zu generieren. Das Headache Management Training beschränkt sich nicht auf die Schulung einzelner Berufsgruppen – wie in der vorliegenden ersten Studie beispielhaft Physiotherapeut*innen – sondern verfolgt einen umfassenderen Ansatz. Ziel ist es, die Versorgung von Patient*innen mit Kopfschmerzen und Migräne ganzheitlich zu verbessern. Im Fokus steht dabei ein interprofessionelles Versorgungskonzept, das unterschiedliche Gesundheitsberufe einbindet, die Kompetenzen im Umgang mit Kopfschmerzerkrankungen stärkt und strukturierte Behandlungs- und Überweisungswege fördert. Ergänzend umfasst das Programm auch die Schulung und Aufklärung von Betroffenen, um Selbstmanagement, Krankheitsverständnis und Therapieadhärenz zu verbessern. Darüber hinaus zielt das Konzept langfristig auf eine breitere Sensibilisierung in der Gesellschaft ab, um das Bewusstsein für Kopfschmerzerkrankungen zu erhöhen und deren frühzeitige, adäquate Behandlung zu unterstützen.