TRANSFORM 2026

07.05.2026 Am Dienstag, 5. Mai 2026, haben sich im Rahmen der Konferenz TRANSFORM rund 140 Teilnehmende im Berner Rathaus versammelt. Fachpersonen aus Politik, Verwaltung, Forschung und Wirtschaft referierten zum Thema «Digital Public Infrastructure».

Wie sieht die digitale Infrastruktur des Staates der Zukunft aus? Wo steht die E-ID und was sind die Chancen und Herausforderungen beim elektronischen Gesundheitsdossier, beim digitalen Briefkasten und bei der Mobilitätsdateninfrastruktur des Bundes?

An der jährlichen Konferenz zum digitalen Wandel im öffentlichen Sektor setzten sich insgesamt 12 Referierende aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft mit diesen Fragen auseinander und teilten ihre Erfahrungen mit dem Publikum im Berner Ratssaal.

Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter plädierte in seinem Einstiegsreferat für digitale Souveränität und Open Source. Er formulierte den politischen Handlungsauftrag und betonte unter anderem, dass es parteiübergreifendes politisches Commitment und ein gemeinsames Verständnis von digitaler Souveränität braucht. Liv Marte Nordhaug vom Digital Public Goods Alliance Secretariat strich die Bedeutung von digitalen öffentlichen Gütern hervor. In Ihrem Referat gab sie spannende Einblicke über erreichte Erfolge und aktuelle Herausforderungen. Ihr Appell: «Never waste a good crisis», sorgte für Lacher im Saal und zeigte mit den dazugehörigen Erläuterungen auf, wie Krisen jeweils ein gutes Momentum generieren, um technische Entwicklungen voranzutreiben.

Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für Digitale Transformation und IKT-Lenkung bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft, schloss den Eröffnungsblock der Konferenz mit dem Fazit: «Digitale Souveränität ist nicht binär, sondern ein Mischpult.» Es gehe nicht darum, ob man souverän oder nicht souverän sei – wie bei einem Mischpult würden viele verschiedene Kanäle in die Diskussion reinspielen.

Im zweiten Teil der Konferenz ging es bei Sandra Tobler um die unternehmerische Perspektive zur digitalen Identitäts- und Vertrauensinfrastruktur. Rolf Rauschenbach stellte den Stand der Dinge zur e-ID vor und Nicolas Lemaitre präsentierte einen praktischen Erfahrungsbericht aus dem Alltag der Stadt Zug mit der digitalen Identität. In der anschliessenden Paneldiskussion folgten kritische Fragen aus dem Publikum zur e-ID, zu allfälligen Sicherheitslücken und der Machbarkeit von Altersüberprüfungen.

Am Nachmittag ging es bei Anne Lévy, Direktorin des Bundesamts für Gesundheit, um das elektronische Gesundheitsdossier, bei Petra Breuer, Vizedirektorin des Bundesamtes für Verkehr um die Mobilitätsdateninfrastruktur des Bundes (MODIG) sowie bei Markus Fischer vom Schweizerischen Bundesarchiv um die Datenplattform LINDAS.

Abgerundet wurde die Konferenz durch ein neues Beispiel für die digitale öffentliche Kommunikationsinfrastruktur der Schweiz: den digitalen Brief, vorgestellt von Martin Wegmüller von der Schweizerischen Post und Thomas Fischer, stellvertretender Amtsleiter Informatik und Organisation des Kantons Bern. Schliesslich erläuterte Florin Hasler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Berner Fachhochschule, wie der Föderalismus vom Klotz am Bein zum Katalysator der digitalen Schweiz werden kann und warf damit einen visionären Blick in die Zukunft.

Durch die Veranstaltung führte Prof. Dr. Matthias Stürmer, Leiter des Instituts Public Sector Transformation des Departements Wirtschaft an der Berner Fachhochschule. In seinem Fazit betonte er, dass digitale Infrastruktur oft mit ähnlichen Herausforderungen kämpft, wie Infrastruktur allgemein. Was aber bei digitaler Infrastruktur besonders ins Gewicht fällt: Es sind oft hohe Investitionen nötig, ohne dass der Nutzen direkt messbar ist. Es herrscht beständig Rechtfertigungsdruck und fehlende gesetzliche Grundlagen sorgen für weitere Hürden.

Dennoch wurde an der TRANSFORM 2026 klar: die digitale öffentliche Infrastruktur ist oftmals auch kritische Infrastruktur und als solche sollte sie behandelt werden. Strategische Investitionen in Sicherheit, Souveränität und Benutzerfreundlichkeit sind nötig, um den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen der digitalen Transformation langfristig zu gewährleisten.

Matthias Stürmer führte als Moderator durch die Veranstaltung
Prof. Dr. Matthias Stürmer, Leiter des Instituts Public Sector Transformation, führte durch die Veranstaltung

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