Neue Studie zur Akzeptanz von Klimaschutzmassnahmen

18.03.2026 Eine neue Studie der Berner Fachhochschule untersucht, wie es um die politische Akzeptanz von Suffizienzmassnahmen in der Schweizer Bevölkerung steht. Es zeigt sich: Ein sehr grosser Teil erachtet den Klimawandel als ein reales, vom Menschen verursachtes Problem.

Werden klimapolitische Massnahmen eher akzeptiert oder abgelehnt, wenn sie von einem bestimmten Absender stammen? Und: Stimmen Wähler*innen immer wie ihre bevorzugte Partei, wenn es um die Klimapolitik geht? Diesen und weiteren Fragen geht das Forschungsprojekt «Suffizienz & Politik» nach. In der frisch veröffentlichten Studie «Sufficiency 23» erläutern Jan Fivaz, Annique Lombard und Daniel Schwarz vom Institut Public Sector Transformation der BFH Wirtschaft, wie die Schweizer Stimmbevölkerung verschiedene Suffizienz-Massnahmen beurteilt.

Suffizienz

Die Schweiz steht vor einer Herausforderung, die sie mit vielen anderen hoch entwickelten Ländern teilt: Sie verbraucht als Volkswirtschaft zu viele natürliche Ressourcen. Das schadet nicht nur dem Planeten, es kann langfristig auch Lebensqualität, Unabhängigkeit und Wohlstand gefährden. Suffizienz-Massnahmen wollen zu einer Veränderung von Verhaltensweisen und Konsummustern beitragen, die zu einem geringeren Verbrauch von Ressourcen führen und somit zu einer Stärkung der Nachhaltigkeit beitragen. «Suffizienz» bezeichnet also das Prinzip, durch Verhaltensänderungen und Konsumverzicht den Ressourcenverbrauch zu senken.

Niemand verzichtet gerne freiwillig. Oder doch?

Die Studie zeigt: Von 43 Suffizienz-Massnahmen erzielen 34 eine erstaunlich hohe Zustimmung und werden von einer Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Massnahmen, die auf den Verkehr bzw. die individuelle Mobilität abzielen, schneiden tendenziell schlecht ab (z. B. autofreie Tage, Mobility/Road Pricing, Verbot von Kurzstreckenflügen oder die Aufhebung von Parkplätzen). Besonders hohe Zustimmungswerte hingegen erzielen niederschwellige Massnahmen im Bereich Bildung, Information und Sensibilisierung (z. B. eine stärkere Berücksichtigung des Themas «Nachhaltigkeit» in den Lehrplänen) sowie Massnahmen, die den Bürger*innen als Konsument*innen einen direkten Nutzen/Mehrwert bringen. Beispiele dafür sind der Ausbau von internationalen Nachtzügen (rund 82% Zustimmung) oder Massnahmen wie z.B. längere Garantiefristen oder ein Recht auf Reparatur bei elektronischen Geräten (85% Zustimmung).

Die Bedeutung des Absenders

Von zentraler Bedeutung für die Höhe der Zustimmung ist, wer einen Vorschlag in die politische Debatte einbringt. In einem Experiment im Rahmen der Studie konnte aufgezeigt werden, dass die Nennung bürgerlicher Parteien oder von Wirtschaftsverbänden als «Absender» die Zustimmung in einzelnen Segmenten der Wählerschaft um bis zu 40 Prozentpunkte erhöhen oder auch um 19 Prozentpunkte senken kann.

Mehr dazu im Artikel auf SocietyByte: Inhalt vs. Verpackung: Die Bedeutung des Absenders für die Akzeptanz von Klimamassnahmen

Wähler*in vs. Partei

Schliesslich zeigt sich, dass die Wähler*innen jeweils deutlich gemässigtere («eingemittete») Positionen vertreten. Dies trifft sowohl auf die SP- und Grünen-Wähler*innen als auch auf die Wähler*innen im bürgerlichen Lager zu. Der Effekt fällt jedoch v.a. bei den Mitte- und FDP-Wähler*innen sehr deutlich aus. Diese zeigen deutlich mehr Unterstützung für umweltpolitische Anliegen als die von ihnen gewählten Parteien und Parlamentarier*innen.

Mehr dazu lesen Sie im Artikel auf SocietyByte: Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch: Positionen von Politik und Wähler:innen im Vergleich

Das Projekt «Sufficiency23» wird von der Stiftung Mercator Schweiz finanziert. Für die Inhalte und die Durchführung der wissenschaftlichen Arbeiten ist das Institut Public Sector Innovation (IPST) der Berner Fachhochschule BFH verantwortlich.

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