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MEDPass-Verabreichungsmodus: Potenzial für Zeit- und Kosteneinsparungen?
30.03.2026 Die Berner Fachhochschule und die Hirslanden Klinik Beau Site in Bern haben in einer Pilotstudie gemeinsam untersucht, ob die Verabreichung von oralen Nahrungssupplementen (ONS) im MEDPass-Modus Potenzial für Zeit- und Kostenvorteile bietet.
Das Wichtigste in Kürze
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Der MEDPass-Verabreichungsmodus wird von Pflegenden als effizienter wahrgenommen als die herkömmliche ONS-Verabreichung.
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Erste Daten deuten auf Zeit- und Kostenvorteile hin.
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Eine grössere Hauptstudie ist bereits im Gange.
Im MEDPass-Verabreichungsmodus werden orale Nahrungsmittelsupplemente (ONS) zusammen mit den regulären Medikamenten drei- bis viermal täglich in kleinen Portionen abgegeben. Dieses Vorgehen ist in der Deutschschweiz weit verbreitet: Fast 70 Prozent der Deutschschweizer Spitäler und Rehabilitationskliniken praktizieren den MEDPass-Verabreichungsmodus. Studien haben gezeigt, dass der Verabreichungsmodus die Therapieadhärenz der ONS gegenüber der herkömmlichen, zwischen den Mahlzeiten verabreichte Gabe, verbessert. Klinische Ergebnisse werden damit jedoch nicht optimiert.
Mögliche Zeiteinsparungen
Aus pflegerischer Sicht wird der MEDPass-Modus mehrheitlich positiv beurteilt. Als Vorteile werden insbesondere genannt:
- Geringerer Aufwand für Motivationsarbeit
- Vereinfachtes Monitoring der Einnahme
- Einfachere Dokumentationsprozesse
Weitere Zeiteinsparungen sind für die Wahl der Menge, der Abgabezeiten und des Aromas der ONS, die interprofessionellen Absprachen, die Verordnung der ONS und die Wege zum Verteilen der ONS möglich. Demgegenüber steht der zusätzliche Aufwand für das Umfüllen der ONS in kleinere Becher. In der subjektiven Wahrnehmung vieler Pflegenden scheint sich dieser Mehraufwand mit den potenziellen Zeiteinsparungen in etwa auszugleichen. Ob sich unter dem Strich dennoch ein ökonomischer Vorteil ergibt, war bislang jedoch nicht systematisch untersucht.
Die spannende Frage lautet daher: Wenn sich klinische Outcomes nicht unterscheiden, liegt der Mehrwert möglicherweise in der Gesundheitsökonomie?
Vom Bauchgefühl zur gesundheitsökonomischen Analyse
«Zeit ist Geld» - besonders im Gesundheitswesen. Vor dem Hintergrund des hohen Ressourcendrucks haben BFH-Forschende vom Bereich Ernährung und Diätetik und das Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik eine gesundheitsökonomische Analyse zur Thematik aufgegleist. Zum Einsatz kommt die Methode des «Time-Driven Activity-Based Costing». Dabei werden sämtliche Prozessschritte rund um die ONS-Verabreichung zeitlich erfasst, von der Vorbereitung über die Abgabe bis zur Dokumentation. Die gemessenen Zeitersparnisse der Professionen werden anschliessend in Kosteneinsparungen für das Schweizer Gesundheitswesen umgemünzt.
Die Pilotstudie: Erste Zahlen
Da es keine Datengrundlage gab, hat die BFH zunächst ein Pilotprojekt zur Machbarkeitsprüfung durchgeführt. Auf der medizinischen Abteilung der Hirslanden Klinik Beau Site in Bern wurden zwölf Patient*innentage analysiert.
Das Ergebnis:
- Der MEDPass-Modus dauert durchschnittlich 8 Minuten 05 Sekunden pro Patient*innentag
- Die herkömmliche Verabreichung dauert durchschnittlich 10 Minuten 19 Sekunden pro Patient*innentag
- Der MEDPass-Modus war damit im Durchschnitt 2 Minuten 14 Sekunden weniger zeitaufwendig.
Für sich genommen scheint dieser Unterschied gering. Hochgerechnet auf Stationen, Kliniken oder gar das gesamte Gesundheitswesen kann er jedoch relevant werden – insbesondere bei der hohen Prävalenz von ONS-Verordnungen.
Die Pilotdaten stützen die Hypothese des Potenzials. Gleichzeitig bestätigte die Machbarkeitsprüfung die Durchführbarkeit einer grösseren Untersuchung. Die Poweranalyse ergab einen Bedarf von 88 Patient*innentagen für die Hauptstudie.
Ausblick: Start der Hauptstudie
Die Hauptstudie startete Anfang März am Universitätsspital Zürich an den Kliniken für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie sowie Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie. Erste Resultate werden Mitte 2027 erwartet.