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Leadership als Motor professioneller Identitätsentwicklung
29.05.2026 Wer im Gesundheitswesen führt, prägt mehr als Abläufe und Zuständigkeiten. Leadership wirkt tief in das professionelle Selbstverständnis von Gesundheitsberufen hinein und wird damit selbst zu einem entscheidenden Faktor der Professionsentwicklung.
Das Wichtigste in Kürze
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Führung beeinflusst im Gesundheitswesen Rollenverständnis, Verantwortung und das, was als professionell gilt.
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Mehr Autonomie – etwa in der Pflege – macht Leadership zum festen Bestandteil professioneller Praxis, zunehmend kollaborativ statt hierarchisch.
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Leadership ist lern- und entwickelbar: BFH-Studien- und Weiterbildungsangebote unterstützen Fachpersonen dabei, Führung als Teil ihrer beruflichen Identität zu gestalten.
Das Gesundheitswesen ist ein Arbeitsfeld hoher Komplexität: Interprofessionelle Zusammenarbeit, steigende Qualitätsanforderungen und umfassende Transformationsprozesse gehören längst zum Alltag. In diesem Umfeld gewinnt Leadership eine neue Bedeutung. Sie ist nicht mehr nur Frage formaler Positionen, sondern wirkt als identitätsstiftende Praxis.
Leadership formt professionelles Selbstverständnis
Professionelle Identität beschreibt, wie sich eine Berufsgruppe selbst versteht – in Bezug auf ihre Rolle, ihre Verantwortung, ihre Werte und ihre Zugehörigkeit. Leadership wirkt in diesem Zusammenhang nicht nur steuernd, sondern auch identitätsstiftend. Es beeinflusst, was als professionell gilt, wie Verantwortung verteilt wird und welche Handlungsspielräume legitim sind. Gleichzeitig prägt die professionelle Identität einer Berufsgruppe, welche Formen von Führung akzeptiert, eingefordert oder abgelehnt werden. Leadership und professionelle Identität stehen somit in einem engen Wechselverhältnis.
Strukturwandel als Identitätsfrage
Die strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen der letzten Jahrzehnte sind Ausdruck dieses Wechselspiels. Besonders sichtbar wird dies an der zunehmenden Autonomisierung der Pflege. Mit der Etablierung eigener Linienverantwortung ist die Pflege damit organisatorisch nicht mehr der ärztlichen Hierarchie unterstellt, sondern übernimmt eigenständige Führungs-, Steuerungs- und Entscheidungsverantwortung.
Diese Entwicklungen sind mehr als ein organisatorischer Umbau und Ausdruck eines tieferliegenden Wandels im professionellen Selbstverständnis. Sie fordern die Profession dazu auf, ihr Rollenverständnis neu zu definieren. Wo Handlungsspielräume wachsen, wächst auch die Verantwortung, sie aktiv zu gestalten. Leadership wird damit zu einem Bestandteil professioneller Praxis und ist nicht länger eine optionale Zusatzkompetenz.
Leadership im Gesundheitswesen studieren und weiterentwickeln
Die BFH bietet Fachpersonen aus unterschiedlichen Professionen und für verschiedene Karrierephasen ein breites Bildungsangebot zur Entwicklung von Leadership-Kompetenzen im Gesundheitswesen.
Der Master of Science in Healthcare Leadership richtet sich an Gesundheitsfachpersonen, die Führung als Teil ihrer beruflichen Rolle verstehen und ihre Kompetenzen im interprofessionellen Kontext vertiefen möchten.
Ergänzend dazu stehen Weiterbildungsangebote der BFH zur Verfügung, die sich mit Leadership, Management und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen befassen und eine praxisnahe, berufsbegleitende Qualifizierung ermöglichen.
Neue Führungsmodelle – neue professionelle Logiken
Führungsmodelle sind eng mit professionsspezifischen Traditionen verknüpft. Während ärztliche Führung historisch häufig hierarchisch, individualisiert und positionsbezogen organisiert ist, entwickeln andere Professionen – insbesondere die Pflege – zunehmend kollaborative und partizipative Modelle.
Ein prominentes Beispiel ist Shared Governance. Dieses Modell geht davon aus, dass Entscheidungen dort getroffen werden sollen, wo die fachliche Expertise liegt. Verantwortung wird geteilt, Führung als kollektiver Prozess verstanden. Damit wird Leadership selbst zum Ausdruck professionsspezifischer Werte wie Partizipation, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung. Führung fungiert hier nicht nur als Steuerungsinstrument, sondern ist Ausdruck des professionellen Selbstverständnisses.
Leadership lernen – Identität entwickeln
Wie stark Leadership zur professionellen Identitätsentwicklung beitragen kann, zeigt sich im Master-Studiengang Healthcare Leadership der Berner Fachhochschule (BFH).
Neben der Vermittlung von Führungskompetenzen eröffnet das Studium einen reflexiven Raum, in dem Studierende ihr eigenes professionelles Selbstverständnis weiterentwickeln.
Der interprofessionelle Austausch, die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Leadership-Theorien und die systematische Reflexion der eigenen Führungsbiografie ermöglichen einen Perspektivenwechsel. Eine Studierende bringt diesen Prozess auf den Punkt: «Im Studium habe ich verstanden, dass Führung kein Zusatz zu meiner fachlichen Rolle ist, sondern Teil davon.» Andere berichten, dass sich ihr Führungsverständnis grundlegend verändert hat: «Leadership war für mich bislang mit Hierarchie verbunden. Im Studium habe ich gelernt, Führung als Beziehung und Prozess zu verstehen – das hat mein professionelles Selbstverständnis nachhaltig geprägt.» Diese Erfahrungen zeigen, wie Leadership zum integralen Bestandteil der eigenen beruflichen Verantwortung wird. Eine weitere Stimme aus dem Studiengang formuliert es so: «Ich sehe Führung heute als Teil meiner eigenen beruflichen Verantwortung und nicht nur als Aufgabe von Vorgesetzten. Dadurch verstehe ich mich stärker als aktive Mitgestalterin im Berufsalltag.»
Professionsentwicklung im Gesundheitswesen
Professionsentwicklung ist zentral für die Qualität, Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung. Sie zeigt sich im beruflichen Alltag, wenn Fachpersonen ihr Handeln reflektieren, neues Wissen umsetzen und ihre Rollen weiterentwickeln. Gleichzeitig betrifft sie die Professionen als Ganzes: die Klärung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Entwicklung von Standards und die Stärkung professioneller Identität. Dabei stellt sich die Frage, wie individuelles Lernen und kollektive Entwicklungen zusammenspielen. Wir geben Einblick in Forschungsprojekte, Weiterbildungsangebote und Praxisbeispiele und zeigen, wie Professionsentwicklung im Gesundheitswesen konkret gelebt und weitergedacht wird.